Naturschutz : Nickende Distel ist ''Blume des Jahres''

Sie steht bereits auf der Liste der gefährdeten Arten: Die Nickende Distel ist von der "Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt zum Schutz gefährdeter Pflanzen" zur "Blume des Jahres 2008" erklärt worden.

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Loki Schmidt präsentiert die Nickende Distel. -Foto: ddp

HamburgDamit soll auf die Einengung des Lebensraumes der zweijährigen Pflanze mit purpurner Blüte hingewiesen werden. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen steht die Nickende Distel bereits auf der Liste der gefährdeten Arten. Das bis zu einem Meter große Korbblütengewächs gehört zur sogenannten Dorfflora. Die Pflanze ist wärmeliebend. Sie fühlt sich auf stickstoff- und kalkhaltigen Böden wohl und tritt an Wegerändern, Böschungen, Hecken und Mauern auf. Häufig sind dies trockene Standorte.

"Die Blume des Jahres 2008 gehört in eine Pflanzengesellschaft, die es in Deutschland mehrere tausend Jahre gab, die aber inzwischen so gut wie verschwunden ist. Es ist die dörfliche Unkrautflora", sagte Hannelore (Loki) Schmidt, die Frau des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt, bei der Vorstellung in Hamburg. "Nur in Museumsdörfern kann die interessante Dorfflora, die ja ein Teil unserer Geschichte ist, mit etwas Mühe weiterhin kultiviert und damit erhalten werden", sagte die 88-Jährige Naturschützerin und Ehrenprofessorin.

Die Nickende Distel bildet im ersten Jahr nur eine Rosette von Blättern mit Dornspitzen aus. Erst im zweiten Jahr erhebt sich der Blütenstand mit einer einzelnen, im Durchmesser etwa drei Zentimeter großen Blüte, die moschusähnlich duftet. Früher wurde die Pflanze daher auch "Bisam-Distel" genannt, erklärte Schmidt.

Prof. Hansjörg Küster vom Institut für Geobotanik der Universität Hannover wies darauf hin, dass die Veränderung der Kulturlandschaft in den vergangenen Jahrzehnten zum Verlust von vielfältigen Lebensräumen führe. Wo Felder, Wiesen, Obstgärten oder Weinberge aufgegeben werden, erobere der Wald die Landschaft. "Wir haben es in der Hand, welche Pflanzenstandorte und welche Pflanzen wir bewahren", sagte Küster. Das sei eine Aufgabe für alle Menschen.

Schmidt hatte 1979 eine Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen gegründet. 1980 wurde mit dem Lungen-Enzian zum ersten Mal eine Blume des Jahres gekürt. 2007 trägt die Bach-Nelkenwurz den Titel. (mit dpa)

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