Welt : Nazi-Schatz: Das Gold bleibt unauffindbar

Gerd Höhler

"Natürlich bin ich enttäuscht, aber wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt Moses Constantini, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Griechenland. Fünf Tage lang suchten Taucher vor der Südküste des Peloponnes nach einem sagenhaften Goldschatz - vergeblich. Der SS-Offizier Max Merten soll während der deutschen Besatzung als Stadtkommandant von Thessaloniki das Gold von der dortigen jüdischen Gemeinde erpresst und den Schatz 1943 mit einem Fischerboot im Meer versenkt haben.

Am Sonntag glaubten sich die Schatzsucher bereits am Ziel. Der Sonar ortete ein Objekt auf dem Meeresgrund. Doch die Taucher fanden nur einen großen Felsblock. Am Dienstagabend lief dann die Genehmigung für die Schatzsuche ab - das Sperrgebiet dient der griechischen Luftwaffe als Übungsareal. Möglicherweise werde man aber erneut eine Genehmigung beantragen, sagte Constantini. Der Schatz wird auf etwa 4,8 Milliarden Mark taxiert.

Merten erpresste Schmuck und Goldmünzen von jüdischen Familien in Thessaloniki mit dem Versprechen, sie vor der Deportation zu bewahren. Doch er hielt nicht Wort. Von den 80 000 Thessaloniker Juden wurden über 70 000 in die Vernichtungslager verschleppt. Merten floh 1943 nach Deutschland, kehrte aber 1958 nach Griechenland zurück, vermutlich um den Schatz zu heben. Dort wurde er jedoch festgenommen und zu 25 Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis soll er einem Mithäftling anvertraut haben, wo der Schatz versenkt sei. Dieser bezeichnete jetzt den Tauchern die Stelle, an der sie zu suchen hätten. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass es Merten gelang, das Gold vorher zu heben. Er wurde nämlich schon nach einjähriger Haft begnadigt und nach Deutschland abgeschoben, wo der Rechtsanwalt 1974 starb.

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