Neapel : Der Müll muss weg

Mit einem Großeinsatz an Müllfahrzeugen rücken die Behörden der italienischen Hafenstadt dem seit zwei Wochen schwelendem Apfallproblem zu Leibe. Die Deponien platzen jedoch schon jetzt aus allen Nähten.

Rom - Seit dem späten Donnerstagabend sammeln hunderte von Müllwagen die überall in den Straßen herumliegenden Abfälle auf und bringen sie zu geschlossenen Deponien in der Region, die eigens für den Zweck wieder geöffnet wurden - teilweise gegen den Widerstand der Anrainer. Die bestehenden Deponien sind überlastet. Seit Wochen kann deshalb der Abfall in der Region nicht mehr entsorgt werden. Nach Schätzungen der Behörden haben sich inzwischen mehr als 15.000 Tonnen wilder Müll angehäuft, davon allein 3000 Tonnen in Neapel.

Die Krise hatte sich auch dadurch verschärft, dass Gerichte die Schließung von Deponien angeordnet hatten, weil sie von der Mafia kontrolliert wurden. Am Donnerstagabend kündigte Neapels Bürgermeisterin Rosa Iervolino Russo dann eine rasche Lösung des Problems an: Nach ihren Angaben sollen mehrere neue Deponien entstehen, deren genaue Lage aber aus Furcht vor Protesten zunächst nicht bekanntgegeben werde. Eine von ihnen mit einer Kapazität von 4000 Tonnen wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA in Acerra, einige Dutzend Kilometer von Neapel entfernt, in Betrieb genommen. Vergeblich hätten die Anwohner rund eine halbe Stunde lang die Straße vor den anrückenden Müllwagen-Konvois blockiert.

Den Einwohnern von Neapel geht unterdessen die Geduld aus: In der Nacht zum Freitag war die Feuerwehr 80 Mal im Einsatz, um brennende Abfälle zu löschen - die meisten waren von den Einwohnern angezündet worden, die den Anblick und Gestank der wilden Müllberge nicht mehr ertragen konnten. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben