Nena-Konzert : Kein Beweis für Anschlagspläne

Die Bundesanwaltschaft hat einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, wonach sich der Terrorverdacht bei einem Nena-Konzert im August in Gelsenkirchen erhärtet habe. Ermittelt wird offenbar gegen sieben Deutsch-Türken.

Karlsruhe/Dortmund - "Es gibt lediglich Anhaltspunkte im Sinne eines Anfangsverdachts, dass sich Leute zusammengeschlossen haben, um möglicherweise Straftaten zu begehen", sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Ullrich Schultheis, in Karlsuhe. Was sie vorhatten, sei aber noch unklar und Gegenstand der Ermittlungen.

Nach einem Bericht der Dortmunder "Ruhr Nachrichten" ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen sieben Deutsch-Türken wegen Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Männer würden verdächtigt, Ende August einen Anschlag auf das Konzert mit dreieinhalbtausend Besuchern geplant zu haben. Bereits kurz nach dem Konzert hatte die Polizei demnach acht Männer in Gewahrsam genommen. Laut "Bild"-Zeitung wollten die Männer auf dem Rhein-Herne-Kanal ein Tankschiff kapern und am Gelsenkirchener Amphitheater während des Nena-Konzerts in die Luft sprengen. Da jedoch Durchsuchungen von Wohnungen und Geschäftsräumen in Gelsenkirchen, Essen, Duisburg und Gladbeck keine Hinweise auf eine schwerwiegende Straftat ergeben hatten, wurden sie wieder frei gelassen. Schultheis wies nun darauf hin, dass die Männer weiterhin auf freiem Fuß seien.

Gruppe offenbar seit Monaten beobachtet

Bei den Verdächtigen soll es sich dem Zeitungsbericht zufolge um junge türkischstämmige, teilweise deutsche Staatsangehörige im Alter von 21 bis 36 Jahren sowie den 54-jährigen Yalcin I. handeln, der als Anführer der Gruppe gilt. Das gehe aus einem der Zeitung vorliegenden vertraulichen Papier des Bundesinnenministeriums hervor. Sowohl das Bundesamt für Verfassungsschutz als auch das Bundeskriminalamt hätten die Gruppe seit Monaten beobachtet. Es handele sich "um eine im Raum Essen, Gelsenkirchen und Duisburg ansässige islamistische Struktur", die sich laut Verfassungsschutz mit der Spendensammlung und der finanziellen Unterstützung des Dschihad, des "Heiligen Krieges", im Irak, in den palästinensischen Gebieten und Pakistan beschäftigt.

Beim Bundeskriminalamt lägen "staatsschutzrelevante Erkenntnisse" über die beiden Führungspersonen Yalcin I. und Harkan B. vor. Harkan B. soll am 3. August an mehrere Personen eine Handy-Kurzmitteilung mit dem Text "Der Tag des jüngsten Gerichtes ist bald gekommen" verschickt haben, heißt es laut Zeitung in dem Bericht des Bundesinnenministeriums. Am 24. August seien Mitglieder der Gruppe in Gelsenkirchen an einem Tanklager nahe dem Veranstaltungsort des Konzerts beobachtet worden. Für die Ermittler habe sich der Verdacht einer Anschlagsvorbereitung gestellt. (tso/ddp)

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