Nepal : Dreijährige wird zur lebenden Göttin ernannt

Auch unter dem maoistischen Regime bleibt die Tradition der lebenden Göttin in Nepal bestehen. Am Dienstag wurde die dreijährige Matina Shakya zur neuen "Royal Kumari" ernannt. Bis zur Pubertät wird sie jetzt abgeschieden in einem Palast leben.

Lebende Göttin
Matina Shakya. Die Dreijährige wurde in Nepal zur lebenden Göttin ernannt. -Foto: dpa

KathmanduEiner jahrhundertealten Tradition folgend ist in Nepal ein kleines Mädchen zur lebenden Göttin ernannt worden. Die dreijährige Matina Shakya sei in einer Reihe von religiösen Zeremonien zur "Royal Kumari" erhoben worden, sagte ein Vertreter der zuständigen Regierungsbehörde. Die Ernennung fand um genau 11:39 Uhr Ortszeit statt, da Astrologen diesen Zeitpunkt als den günstigsten für die Zeremonie ermittelt hatten.

Dutzende Menschen säumten die Straßen, als Angehörige die neue lebende Göttin durch Kathmandus Altstadt vom Haus ihrer Familie zu dem Palast trugen, in dem sie die nächsten Jahre abgeschieden leben wird. Es sei eine sehr schwere Entscheidung gewesen, Matinas Ernennung zur "Royal Kumari" zuzustimmen, sagte ihr Vater Pratap Man Shrestha. "Ich werde sie schrecklich vermissen, aber es ist ein großes Privileg, eine Kumari zur Tochter zu haben." Gleichzeitig helfe die Familie auf diese Weise, einen jahrhundertealten einzigartigen Teil der nepalesischen Kultur zu erhalten.

Lebende Göttin hat Recht auf Schulbesuch

Die Tradition schreibt vor, dass die "Royal Kumari" ihren Palast nur wenige Male pro Jahr für religiöse Zeremonien verlässt. Vor einigen Monaten entschied das Oberste Gericht Nepals, dass die lebende Göttin auch das Recht auf regelmäßigen Schulbesuch hat. Laut Matinas Vater soll seine Tochter in ihrem Palast Privatunterricht bekommen. Ihre Familie dürfe sie jedoch jederzeit besuchen.

Matina Shakya ist die Tochter eines Uhrmachers und war von einem Ausschuss als Nachfolgerin der bisherigen "Royal Kumari" Preeti Shakya ausgewählt worden. Diese ist zwölf Jahre alt und nähert sich damit der Pubertät, eine Zeit, ab der sie den Gläubigen als "unrein" gilt. Preeti war in Tränen aufgelöst, als sie am Dienstag aus dem Palast geführt und zu ihrer Familie zurückgebracht wurde, um der neuen "Royal Kumari" Platz zu machen.

32 Kriterien muss die "Kumari" erfüllen

Am Montag hatte der neue nepalesische Präsident Ram Baran Yadav der Wahl der lebenden Göttin zugestimmt. Durch den Übergang des Himalaya-Staates zur Republik war eine neue Vorgehensweise bei der Wahl der "Royal Kumari" nötig geworden. Bislang musste der König der Ernennung zustimmen. Die neue maoistische Regierung Nepals, die im Frühjahr die jahrhundertealte Monarchie abgeschafft hatte, entschied sich für eine Beibehaltung der Tradition der "lebenden Göttin".

Um "Kumari" ("Jungfrau") zu werden, muss ein Mädchen 32 sehr strenge Kriterien erfüllen. Dazu gehören eine "Brust wie ein Löwe", "Beine wie ein Reh" und das Bestehen diverser Prüfungen wie ein Aufenthalt in einem Raum mit toten Opferbüffeln, währenddessen die Kandidatin nicht weinen darf. In drei weiteren Orten des Landes gibt es ebenfalls "lebende Göttinnen", die "Royal Kumari" gilt jedoch als die mächtigste. Die Bevölkerung in Nepal hängt vorrangig dem Hinduismus und dem Buddhismus an. Priester beider Religionen bereiteten die neue "Kumari" auf ihren Dienstbeginn vor. (jg/AFP)

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