Welt : Nepal: Neue Göttin eingesetzt

Torsten Hampel

In Nepal ist am Dienstag ein vierjähriges Mädchen zur lebenden Göttin erhoben worden. Das Kind wurde entsprechend der Tradition und mit hinduistischen Riten als Kumari eingesetzt, sagte der oberste Priester am nepalesischen Königspalast. Die Kumari gilt den Gläubigen im hinduistischen Königreich Nepal als Wiedergeburt der Göttin der Stärke, Taleju. Die Wahlprozedur ist geheim, das Amt wird regelmäßig neu besetzt.

Die Kumari ist ein bedauernswürdiges Kind aus der Kaste der Goldschmiede, das mit etwa vier Jahren aus seinem Elternhaus genommen wird, um fortan in einem Tempel als Schützgöttin der nepalesischen Hindu-Könige zu leben. Aufgabe der Kumari ist es auch, die vor ihrem Tempel in der Hauptstadt Kathmandu versammelten Gläubigen mehrmals täglich zu segnen. Neun Mal im Jahr darf sie das Haus verlassen und wird in einem Wagen durch die Stadt gezogen. Mit ungefähr zehn Jahren, vor der ersten Menstruation - in der vergangenen Woche war die bisherige Kumari aus dem Amt geschieden, weil sie in die Pubertät gekmmen war - muss sie, ohne eine Schule besucht zu haben, wieder zu ihrer Familie zurückkehren. Und weil eine Legende sagt, dass der Ehemann einer ehemaligen Kurami einen frühen Tod sterben müsse, bleiben die meisten Frauen unverheiratet.

Die "Kathmandu Post", die wichtigste Tageszeitung in Nepal, beschreibt einige Eigenschaften, die eine Kurami haben muss. Sie muss eine "Jungfrau sein mit einem unbefleckten Körper", schwarze oder ausdrucksstarke Augen haben, weiße Zähne ohne Lücken und weiche Hände und Füße. Wichtiger sind aber die sogenannten 32 noblen Tugenden, zum Beispiel der Mut. Kuramis sollten keine maskierten Männer oder Tieropfer fürchten. Während ihrer Inthronisierungs-Zeremonie werden Büffel geschlachtet und deren blutende Köpfe in den Hof des Taleju-Tempels gelegt. Um Mitternacht tritt die Kurami heraus und geht um die Köpfe herum. Ein grotesk maskierter Tänzer springt umher. Wenn das Kind still und furchtlos bleibt, ist es als neue Kurami erkannt. Danach werden ihm in einer tantrischen Zeremonie alle Erinnerungen genommen, damit nichts die Taleju-Göttin am Hineinschlüpfen in den Mädchenkörper stört.

Nach ihrer Amtszeit erhalten die lebenden Göttinnen eine Staatsrente, die laut "Kathmandu Post" "für nichts ausreicht". "Die Opfer der Kinder werden nicht kompensiert." Gleichwohl, die nepalesische Kultur sei ärmer ohne Kuramis, schreibt die Zeitung, auch die Touristen hätten ohne sie weniger zu sehen.

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