Neu-Russe : Putin bürgert Gérard Depardieu ein

Der Schauspieler Gérard Depardieu wird Russe. Der Seitenwechsel von Paris nach Moskau hat einen Beigeschmack - es geht um viel Geld.

Alte Bekannte: Depardieu und Putin 2010 in St. Petersburg.
Alte Bekannte: Depardieu und Putin 2010 in St. Petersburg.Foto: dapd

Ein Depardieu ist - auch jenseits der Schauspielkunst - immer gut für Aufsehen: Motorradunfall, Attacken im Straßenverkehr, Flaschenpinkeln im Flieger, umgekippter Roller. Manchmal ist dabei auch Alkohol im Spiel. Ganz nüchtern kam dagegen am Donnerstag die Nachricht aus Moskau daher: Gérard Depardieu ist jetzt Russe. Kremlchef Wladimir Putin hat den derzeit auch noch französischen Schauspieler per Dekret eingebürgert. Künftig kann Depardieu, der in seiner bisherigen Heimat als reichster Schauspieler gilt, richtig viel Geld sparen. Die von Frankreichs Präsident François Hollande weiterhin geplante Reichensteuer von 75 Prozent hatte den schwergewichtigen Darsteller („Asterix und Obelix“, „Cyrano de Bergerac“) aus dem Land getrieben. Als Premier Jean-Marc Ayrault die Steuerflucht „ziemlich erbärmlich“ nannte, wollte Depardieu seinen Pass umgehend abgeben.

Knapp jenseits der nördlichen Landesgrenze besitzt Depardieu im belgischen Örtchen Néchin ein schmuckloses altes Zollhaus. Der glückliche Bürgermeister Daniel Senesael veröffentlichte mit Einwohnern noch zum Jahresauftakt ein etwas albernes „Asterix“-Video zu Ehren des erhofften Neubürgers Depardieu in der Provinz.

Der Bonvivant Depardieu („Einzig der Luxus ist dem Menschen angemessen“) ist jedoch für seinen exzessiven Lebensstil bekannt. Er trinkt gern und besitzt Weingüter. Er isst gern und hat Edel-Restaurants nebst Fischladen in Paris. Rund 80 Angestellte sollen mittlerweile für den 64-Jährigen arbeiten. Seine Villa Hôtel de Chambon in Paris Saint-Germain steht nun zum Verkauf.

Berührungsängste kennt das von Franzosen auch liebevoll „Gégé“ genannte Raubein kaum. Mit Googoosha, der Tochter des autoritären usbekischen Präsidenten Islam Karimow, nahm Depardieu einen Popsong auf. Angebote für eine Staatsbürgerschaft kamen auch aus Tschetschenien oder Montenegro.

Nun locken statt 75 Prozent in Frankreich gerade mal 13 Prozent Einkommensteuer in Russland. Für Putin ist Depardieus Wechsel der perfekte Coup. Die Zustimmung zum Kremlchef dürfte dank dem auch im Riesenreich beliebten Schauspieler wieder klettern. „Präsident Wladimir Putin hat den Russen einen neuen herausragenden Staatsbürger geschenkt“, jubelt das Internetportal newsru.com, das sich sonst gern über PR-Aktionen des Kremlchefs mokiert.

Vizeregierungschef Dmitri Rogosin sieht die Einbürgerung des „Freundes“ (Putin über Depardieu) auch andere Gründe: „Im Westen kennen sie vor allem unser Steuersystem schlecht. Sobald sie es kennen, können wir uns auf eine Massenmigration reicher Europäer nach Russland gefasst machen“, schreibt Rogosin auf Twitter.

Russlands Mächtige umgeben sich gern mit westlichen Stars. Oligarch Roman Abramowitsch lockte zur glamourösen Neujahrsfeier 400 Gäste, darunter „Star Wars“-Erfinder George Lucas oder die
Hollywood-Stars Jake Gyllenhaal und Naomi Watts, auf eine Karibik-Insel. Die russische Hauptstadt zieht ihrerseits viel Prominenz an, auch Depardieu ist häufiger Besucher in Russland. Dort spielte er den legendären Zarenberater und Wunderheiler Rasputin - der Film lief aber noch nicht in russischen Kinos. Zu sehen sind hingegen im Internet Putins Klavierkünste, die er Ende 2010 bei einer Spendengala in seiner Heimatstadt St. Petersburg zum Besten gab - unter dem Applaus von Depardieu.

In der kommenden Woche hat der russische Neubürger allerdings noch mindestens einen Termin in Paris. Dann muss er sich vor einem Gericht verantworten - wegen Alkohols im Straßenverkehr. (dpa)

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