• Neue Bahn-Tarife: Bahncard soll den Preis nur noch um 25 Prozent reduzieren - Internet-Ermäßigung für Berliner eingeschränkt

Welt : Neue Bahn-Tarife: Bahncard soll den Preis nur noch um 25 Prozent reduzieren - Internet-Ermäßigung für Berliner eingeschränkt

Jörn Hasselmann

Die Bahntarife werden im kommenden Jahr einfacher - und teurer. Jetzt bekannt gewordene Pläne sehen vor, dass es mit der Bahncard nur noch einen Rabatt von 25 Prozent geben wird. Bislang gibt es 50 Prozent Rabatt, die Fahrkarte mit Bahncard kostet also nur die Hälfte.

Offiziell bestätigt die Bahn lediglich, dass es im "Jahr 2001 ein neues Preissystem beim Fernverkehr" geben wird. "Die Bahncard bleibt dabei eine wichtige Säule", sagte Claudia Wachowitz aus der Frankfurter Zentrale. Ein "Expertenteam" arbeite an dem neuen System. Wann das Team fertig sein solle, wollte Wachowitz nicht sagen. Zuletzt hatten mehrere Zeitungen und Sender berichtet, dass die Bahncard billiger werden soll, dafür jedoch nur noch 25 Prozent Rabatt bringt. "Interne Papiere kommentieren wir nicht", sagte Wachowitz gestern dem Tagesspiegel. Dementieren wollte sie die Gerüchte auch nicht.

Würden die bekanntgewordenen Pläne Wirklichkeit, wäre die große Mehrzahl der Fahrgäste getroffen. Derzeit sind mehr als 80 Prozent der täglich 400 000 Reisenden im Fernverkehr mit Sparangeboten unterwegs, meist mit der Bahncard. Weniger als 20 Prozent zahlen den regulären Tarif. Drei Millionen Bahncards sind im Umlauf, in der Regel sind die Besitzer Vielfahrer. Im vergangenen Jahr ist die Plastikkarte übrigens für viele billiger geworden. Denn nicht nur Ehepartner kommen seitdem in den Genuss einer nur 130 Mark teuren Bahncard, sondern auch WG-Genossen und Pärchen, egal ob schwul oder nicht. Für die Inhaber der 130-Mark-Bahncard würde die Abkehr vom 50-Prozent-Rabatt besonders nachteilig sein. Beliebt ist die Bahncard ja gerade wegen der simplen Rechnung, dass die Fahrkarte damit nur die Hälfte kostet. Wer häufiger als zweimal im Jahr eine mittellange Strecke fährt, für den rentieren sich die 260 Mark schon.

Dass die Bahncard beim Tarifsystem 2001 eine kleinere Rolle spielt, zeigt der Mini-Rabatt bei den Internetfahrkarten: Die verbilligen sich mit der Plastikkarte nur noch um fünf Mark. Von der Ausweitung der Verbindungen zum Fahrplanwechsel war Berlin übrigens ausgenommen. Beim Angebot "Surf & Rail" können von Berlin aus nur noch Karten zu neun Städten per Internet gebucht werden: Rostock, Chemnitz (75/70 Mark), Kiel, Kassel (105/100 Mark), Fulda, Nürnberg, Frankfurt (145/140 Mark), Mannheim und Stuttgart (195/190 Mark). Das ist bedeutend billiger als mit traditionellen Rückfahrkarten, Stuttgart zum Beispiel kostet "normal" im ICE 498 Mark (mit Bahncard 249 Mark).

Doch bis Mai wurden mehr Verbindungen angeboten von Berlin aus, darunter wichtige Städte im Ruhrgebiet, Köln/Bonn, München, Hamburg und Hannover. Die Expo ist schuld daran, dass Berlin von der "Ausweitung des Angebots von 26 auf 53 Städte" (so die Werbung) ausgenommen wurde, heißt es. Denn über das Internet konnten bislang schon nur Karten für weniger frequentierte, genau definierte Züge gebucht werden. Die Karten gelten ausschließlich für diesen Zug.

Dass Hannover bei Surf & Rail rausfiel, lässt sich zwar mit der Expo erklären, nicht aber, wieso beispielsweise Hamburg nicht mehr mit der Maus gebucht werden kann. Die zum Fahrplanwechsel neu aufgenommenen Städte Kiel, Rostock und Chemnitz können die verlorenen Ziele nicht ersetzen.

"Surf & Rail" und die Expo-Züge sind schon jetzt Schritte in das angestrebte neue Tarifsystem. Bei beiden Angeboten dürfen nur vorgebuchte Züge benutzt werden, dies wird dann mit Preisnachlässen belohnt. Vorteil für die Bahn und auch den Fahrgast: Die Besetzung der Züge wird gesteuert, unbeliebte Überfüllungen verhindert. Seit Einführung von Surf & Rail wurden 50 000 Fahrkarten über das Internet verkauft.

Eine grundsätzliche Reservierungspflicht wird die Bahn nicht einführen, dieses Gerücht immerhin dementiert die Sprecherin von "Reise und Touristik", Claudia Wachowitz. Der freie und spontane Einstieg in irgendeinen Zug sei gerade der Wettbewerbsvorteil der Bahn.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben