Neue Biographie : Carla Bruni - Schöne Frauen, hässliche Intrigen

Es ist ein Krieg der Bücher, ein Krieg der Worte, es geht um üble Intrigen und alte Rechnungen. Die zweite Biografie über Carla Bruni innerhalb weniger Tage eröffnet eine neue Schlammschlacht.

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„Verführerisch wie eine Katze, schlau wie ein Affe und kalt wie eine Schlange.“ So böse reden manche Leute über Carla Bruni.
„Verführerisch wie eine Katze, schlau wie ein Affe und kalt wie eine Schlange.“ So böse reden manche Leute über Carla Bruni.Foto: AFP

Schüttelten die Franzosen nicht schon genug den Kopf über ihren Präsidenten, und rätselte nicht alle Welt über seine Behauptung, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihm etwas über deutsche Romalager gesagt, was sie gar nicht gesagt haben kann, weil es keine Romalager gibt in Deutschland – jetzt kocht in Frankreich eine alte Schlammschlacht hoch, die fast vergessen war. Dabei geht es um die zweite Biografie über Carla Bruni, die Frau von Präsident Nicolas Sarkozy. Nachdem eine erste wenig schmeichelhafte Biografie vor wenigen Tagen Furore gemacht hatte, die sie als „Tigerin“ und „Schlange“ beschrieb, schlägt jetzt eine zweite Biografie zurück, von der schon zuvor kolportiert worden war, sie sei vom Präsidentenpalast initiiert, um die Angriffe der anderen Biografie abzuschmettern.

Das könnte nach hinten losgehen. Diese zweite Carla-Bruni-Biografie „Carla et les Ambitieux“ von Michaël Darmon und Yves Derai spekuliert über ein Komplott, das Sarkozys ehemalige Justizministerin Rachida Dati gegen Bruni angezettelt haben soll. Wie die britische „Daily Mail“ vorab aus dem Buch zitiert, soll Rachida Dati, die „schöne Ministerin“, wie sie genannt wurde, mit Sarkozys Ex-Schwägerin Sophie Douzal das Ziel verfolgt haben, Sarkozys damalige Frau Cecilia zurück in den Palast zu holen, um Carla Bruni abzuwehren. Zu diesem Zweck sollen sie Gerüchte über die Untreue der Sarkozys gestreut haben. Carla Bruni soll Geheimdienstakten besitzen, die das beweisen.

Aber woher hat Carla Bruni diese Geheimdienstakten? Hat Sarkozy etwa tatsächlich wegen Gerüchten über sein Privatleben den Inlandsgeheimdienst auf seine schöne Ex-Ministerin angesetzt?

Genau das ist wohl der Fall. Davon zeugt ein denkwürdiger Vorfall im April. Damals hörte Carla Bruni im Radio gerade, ihr Mann habe den Inlandsgeheimdienst auf seine Ex-Ministerin angesetzt. Bruni fuhr umgehend ins Radiostudio, und dementierte dort live. Aber nur wenige Stunden später widersprach ihr der Chef des französischen Innengeheimdienstes DCRI, Bernard Squarcini, persönlich. Er betonte, der Dienst habe sehr wohl Nachforschungen angestellt: „Wir sollten die Herkunft der Informationen klären.“ Dass der Chef des Inlandsgeheimdienstes ein Dementi der Präsidentengattin dementiert, kommt nicht oft vor. Es kommt aber auch nicht oft vor, dass die Frau des Präsidenten öffentlich eine Tätigkeit des Geheimdienstes dementiert.

Rachida Dati, die schöne Ex-Ministerin, sah sich schon damals als Opfer der Rachsucht des Präsidenten. Niemand geringerer als Präsidentenberater Pierre Charon bezichtigte sie, in den Skandal um die Gerüchte verwickelt zu sein. Anschließend, wie zum Beweis seiner Rachsucht, entzog ihr Sarkozy die Dienstlimousine, die sie trotz ihrer Entlassung als Ministerin weiter zunächst hatte behalten dürfen, aus Gründen, über die es ebenfalls Gerüchte gibt. Wenn diese zweite Biografie Rachid Dati aufs Neue das Komplott mit den Gerüchten anhängt, stellt sich die Frage, ob, wie behauptet, der Präsidentenpalast dahinter steckt, um sich an Rachid Dati zu rächen. Das würde aber auch bedeuten, dass es Sarkozy wichtiger wäre, Dati zu verfolgen, als sich um seinen Ruf zu sorgen. Dass ein Präsident wegen seiner Privatfehden aus Rachsucht seinen Inlandsgeheimdienst auf seine Ex-Ministerin ansetzt, ist keine gute Nachricht für ihn. Die Umfragen sind im Keller, die Leute fassen sich an den Kopf, da kommt es darauf vielleicht auch nicht mehr an.

Carla Bruni hat eine CD mit neuen Chansons angekündigt. Vielleicht haut das alles raus. Auch der Film „Midnight in Paris“, in dem sie im Sommer unter der Regie von Woody Allen in einer Nebenrolle vor der Kamera stand, wird sie in gutem Licht erscheinen lassen. Und vielleicht vergessen machen, was die Journalistin Besma Lahouri in der ersten, vor einigen Tagen erschienenen Biografie „Carla Bruni, ein geheimes Leben“ geschrieben hat. Die Lektüre erfüllt, was sich manche Leser aufgrund des Titels versprechen mögen. Höheren Ortes dürfte die Lektüre dagegen kaum als amüsant empfunden worden sein. Im Élysée-Palast wurde das Vorhaben der Autorin jedenfalls mit Misstrauen aufgenommen. Zu einem Gespräch mit ihr war Carla Bruni nicht bereit. Auch bei Bekannten hatte sie interveniert, um Enthüllungen zu verhindern, die ihr eventuell unangenehm hätten werden können. Dennoch ist es der als freie Journalistin tätigen Lahouri gelungen, viele Zeugen aus ihrem Leben zum Sprechen zu bringen. Unter der Maske der manchmal fast schüchtern wirkenden Première Dame, die sich dezent im Hintergrund hält und bei offiziellen Auftritten flache Ballerinas trägt, um den klein gewachsenen Präsidenten nicht allzu auffällig mit ihren 1,76 Metern zu überragen, verbirgt sich nach Ansicht der Autorin eine selbstverliebte, berechnende Person. „Verführerisch wie eine Katze, schlau wie ein Affe und kalt wie eine Schlange“, nennt sie der Designer Jean-Jacques Picart.

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