Welt : Neue Gewaltserie an der Schule

17-Jähriger wurde in Hannover über Monate hinweg verprügelt

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Hannover/Hildesheim (dpa). Nach dem monatelangen Martyrium eines Hildesheimer Berufsschülers ist eine neue Gewaltserie ans Licht gekommen. Vier Monate lang sollen vier 17Jährige an einer Berufsschule in Hannover einen Klassenkameraden verprügelt und dabei auch mit einem Gummihammer zugeschlagen haben. Zudem steht ein anderer Jugendlicher im Verdacht, an der Schule eine 17-Jährige sexuell belästigt zu haben, berichtete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hannover am Dienstag.

Die wegen der Prügeleien verdächtigen Schüler wurden am Montag vorläufig festgenommen und vernommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Es gebe auch Anhaltspunkte, dass andere Schüler von den Gewalttaten wussten, aber „unter Zwang dicht halten mussten“, sagte der Sprecher. Die Verdächtigen hätten sich am Dienstag in der Berufsschule bei dem Opfer entschuldigt, sagte Schul-Sozialpädagogin Anette Pundt.

Die betroffene Berufsschülerin hatte sich laut Staatsanwaltschaft ihrem Schuldirektor offenbart und den Fall ans Licht gebracht. Die 17-Jährige – einziges Mädchen in einer Klasse für Metallverarbeitung – hatte zuvor immer häufiger im Unterricht gefehlt. Sie berichtete der Polizei dann auch, dass ein Mitschüler von Klassenkameraden gequält werde. In diesem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen vier 17-Jährige wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Laut Polizei stammen die Verdächtigen aus Italien, Spanien, Serbien und Polen.

Der Leiter der Berufsschule, Christian Postel, sagte am Dienstag entsetzt: „Die Schüler sagen mir, was hier passiert ist, das ist doch üblich.“ Durch kleinere Taten, die regelmäßig vorkämen, sinke bei den Schülern die Hemmschwelle. Mehrere Schüler berichteten, es habe an ihrer Schule schon häufiger Schlägereien gegeben. Vor allem Mädchen hätten es schwer. An der berufsbildenden Schule sind viele Jugendliche, die nur schlechte Berufschancen haben. Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU) sagte, alle Schulen in seinem Bundesland sollten „abklopfen, ob noch mehr Fälle schlummern“.

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