Welt : Neue Mode: Ist die wilde Party schon zu Ende?

Verspielt, sexy, feminin - das scheint der gemeinsame Nenner der neuen Damen-Sommermode in Mailand und Paris zu sein. Während in der italienischen Mode-Metropole mit Donatella Versaces rasanter Frühjahrskollektion die Designer-Schauen am Freitag zu Ende gingen, hob sich in Paris am Wochenende der Vorhang für die Trends der kommenden Sommersaison.

An dem achttägigen Modereigen an der Seine nehmen diesmal 86 Designer aus aller Welt teil. Der Auftakt gab sich raffiniert-ungezwungen. So präsentiert der bretonische Designer Christian Tournafol seine Kollektion "Mademoiselle" für "eine verführte Frau, die mich verführt". Torrente kehrt mit schillernder Vielfarbigkeit und Seide-Mini-Shorts in die siebziger Jahre zurück, während die Frau des Jahres 2001 bei Marcel Marongiu Rock und Bluse locker zuknotet und dabei ihren Bauchnabel zeigt.

Mit besonderer Spannung werden vor allem die Schauen der Designerhäuser Yves Saint-Laurent und Cacharel erwartet. Cacharel hat tief greifende Veränderungen angekündigt und will an diesem Montag zeigen, wie diese "kulturelle Revolution" aussieht. Am 13. Oktober stellt dann der Amerikaner Tom Ford vor, was er sich für das Modehaus Yves Saint-Laurent ausgedacht hat. Vor elf Monaten hatte YSL die "pret-a-porter-Kollektionen" an Gucci verkauft. Der Amerikaner Tom Ford gilt als der Star der Modewelt, seit er das einst angeschlagene Unternehmen Gucci mit neuen Ideen auf Vordermann brachte und es zu einer der wichtigsten Modeadressen machte. Seine Yves Saint-Laurent-Kollektion wird mit der gleichen Spannung erwartet, wie vor einigen Jahren die Schöpfungen der Briten John Galliano und Alexander McQueen, die damals die Modehäuser Dior und Givenchy mit Provokationen wieder nach vorne brachten. Die Franzosen hatten die Übernahme der französischen Traditionshäuser durch Briten mit großem Argwohn betrachtet. Jetzt ist der Amerikaner Tom Ford an der Reihe.

Prada und Gucci nüchtern und streng

In Mailand brachte Donatella Versace mit Gürteln und schmalen Schnitten Kleider, Jacken und Catsuits auf Taille. Dabei dominieren Schwarz und Weiss, bunt strahlen indessen riesige Blüten auf hellem Blau. Glänzendes Lackleder hält sich neben vielen Seidenmischungen. Den Abend hatte Versace mit raffinierten Versionen des kleinen Schwarzen eingeleitet und mit langen Kleidern mit üppigen Blütenmotiven fortgeführt.

Streng und zuweilen militärisch zeigte sich Pradas Zweitlinie Miu Miu. Verschiedene Rockformen werden mit weichen Pullovern in Querbalken-Optik oder Trägertops kombiniert. Koppelgürtel markieren die Hüftlinie. Taschen wie kleine Beutel sitzen auf kurzen Röcken oder Blusen. Dunkle, zuweilen schmutzig erscheinende Farben dominieren die Optik.

So waren die überkandidelten achtziger Jahre das Thema der Mailänder Defilees - doch möglicherweise war das auch die letzte wilde Party. Denn überblickt man die Kollektionen, die den Trend setzen - Prada, Gucci oder Jil Sander - dann ergibt sich ein eher nüchternes Bild.

Stefano Gabbana allerdings verteidigte die 80er: "Für uns sind die achtziger Jahre nicht gleichzusetzen mit schlechtem Geschmack, sondern mit Lebensfreude und dem Mut, sich glamourös anzuziehen." Zusammen mit seinem Partner Domenico Dolce zelebrierte er eine Mischung aus Pin-up-Girls und Spaghetti-Western. Bestickte transparente Leggins kombinieren Dolce & Gabbana zu einem geknoteten T-Shirt mit dem Konterfei der Popkönigin Madonna, bauchfreie Motorradblousons in rasanten Streifenmustern zu schmalen Röcken. Braune Wildlederhosen im Rodeo-Stil mit vielen Fransen wechseln sich mit zerrissenen Jeans ab, die Diamantenbestickt und mit Sicherheitsnadeln geschmückt sind.

Premiere für Boss Woman

Kurz vor Abschluss der Mailänder Mode-Defilees gab es eine mit Spannung erwartete Weltpremiere: Boss Woman feierte am Donnerstagabend mit der Kollektion Frühjahr/Sommer 2001 den gewagten Schritt auf den Modemarkt. Es wurde ein rauschendes Fest, mit allem, was dazu gehört: dem Gedränge am Eingang zum Palazzo Senato, dem Ort der Show, mit einem Stargast Ute Lemper, der zur anschließenden Party sang, und mit vielen anderen Prominenten wie Schauspieler Dennis Hopper und Kollegin Nastassja Kinski in der ersten Reihe.

Auch die Mode der deutschen Designerin Grit Seymour für Boss hielt das, was die angestrebte Zielgruppe, die Frau im Geschäftsleben, erwartet. Schwarz, Weiß und silbriges Grau sind die Hauptfarben. Nur ein paar plakative, zackige Streifendessins lenken von den Unis ab, etwa ein wenig helles Grün. Blazerformen mit einem tiefgezogenen Revers ziehen sich durch die Kollektion. Hosenanzüge sind ein Muss, das "Power-Kostüm" auch. Mit rückenfreien oder am Rücken geschlitzten Blusen gönnt sich die Boss-Frau etwas Erotik, mit fließenden Kleidern eine dezente Verspieltheit. Womöglich liegt Boss Woman damit voll im Trend. Denn in Mailand kehrte nach einer Glamour-Phase die Sachlichkeit zurück.

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