Welt : Neue Rakete Ariane 5 versucht es noch einmal

GRETA MAIELLO

Start am Donnerstag / Bei Jungfernflug letztes Jahr explodiertVON GRETA MAIELLO PARIS.(AFP) Als im Juni 1996 die neue europäische Trägerrakete Ariane 5 in einem riesigen Feuerball verglühte, schien auch der Traum der europäischen Raumfahrttechniker von einer neuen Superrakete geplatzt zu sein, die weltweit alle bisherigen Modelle in den Schatten stellt.Wegen eines Softwarefehlers endete der Jungfernflug der Ariane 5 nur 37 Sekunden nach dem Start in einem Desaster.Doch am Donnerstag soll der Schwerlastträger zu einem neuen Versuch starten.Diesmal dürfen keine Fehler mehr passieren, wenn Europa seine Spitzenstellung im kommerziellen Raumtransport behaupten will.Deshalb wurde die Rakete seit dem Fehlstart in allen Einzelteilen genau unter die Lupe genommen.Die für die Entwicklung zuständige Europäische Weltraumorganisation ESA zögerte nicht, wegen Nachbesserungen den neuen Starttermin mehrmals aufzuschieben. Ariane 5 kann mit 6,8 Tonnen Nutzlast zwei Tonnen mehr als Ariane 4 bis in 36 000 Kilometer Höhe bringen.Sie wurde mit einem Kostenaufwand von etwa zwölf Milliarden Mark im Auftrag der ESA entwickelt.Ariane 501 war kurz nach dem Start durch das bordeigene Selbstzerstörungssystem gesprengt worden, weil sie von der vorgesehenen Flugbahn abgekommen war.Schuld daran war das Flugführungssystem, das von der Ariane 4 kostensparend übernommen worden war und mit der entschieden größeren Menge von Meßwerten nicht fertig wurde.Mit dem ersten Exemplar verglühten auch vier Forschungssatelliten im Gesamtwert von mehr als 840 Millionen Mark, die unter Federführung der Daimler-Benz Aerospace (Dasa) gebaut worden waren.Vorsichtshalber wurden als Nutzlast für den neuen Probeflug nun zwei Satellitenattrappen gebaut.Außerdem wird ein Satellit mitgeführt, den Praktikanten der ESA entwickelt haben. Kennzeichnend für die bullig wirkende Ariane 5 ist eine 30,5 Meter hohe Unterstufenkombination, die sich aus einer Hauptstufe und zwei seitlich als Starthilfe angeordneten Feststoff-Zusatzraketen zusammensetzt.Die Oberstufenkombination kann bis zu 20 Meter lang sein.Der neue Träger wurde so konzipiert, daß er 18 Tonnen Nutzlast auf niedrige Umlaufbahnen in 400 Kilometer Höhe befördern kann und somit auch für bemannte Raumfahrzeuge oder Bauteile einer ständigen Orbitalstation geeignet ist. Die Kritik mancher Experten, Ariane 5 sei überdimensioniert und deshalb nicht marktgerecht, wird bei der ESA und dem Raketenbetreiber Arianespace mit dem Hinweis auf das zunehmende Gewicht moderner Kommunikationssatelliten zurückgewiesen.Ein leistungsfähigeres Modell als die seit 1988 sehr erfolgreich eingesetzte Ariane 4 sei unverzichtbar, um sich Wettbewerbsvorteile gegenüber der amerikanischen, russischen, chinesischen und japanischen Konkurrenz zu sichern.Arianespace, die vor einem Monat ihren 100.Raketenstart feierte, hat derzeit die Hälfte des Weltmarkts in der Hand.

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