Neuer Fall von Polizeigewalt in den USA : 17-Jährige in Polizeiwache erschossen

Polizei und Gewalt, das ist besonders in den USA ein heikles Thema. Nachdem ein Polizist in Ferguson im letzten Jahr einen schwarzen Jugendlichen erschossen hatte, kam es zu Demonstrationen und Ausschreitungen. Auf einer Polizeiwache in Texas ist es nun zu einem weiteren Vorfall gekommen.

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Die Aufzeichnungen der Videokamera der Polizeiwach in Texas zeigt, wie das Mädchen von drei Polizisten umzingelt und bei einem Fluchtversuch erschossen wird.
Die Aufzeichnungen der Videokamera der Polizeiwach in Texas zeigt, wie das Mädchen von drei Polizisten umzingelt und bei einem...Foto: Screenshot

Ein neuer Fall von Polizeigewalt schockiert die USA: Im Bundesstaat Texas ist ein 17 Jahre altes Mädchen in einer Polizeiwache erschossen worden. Ein Überwachungsvideo, das die örtliche Polizei bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichte, zeigt die Szene in der Stadt Longview östlich von Dallas. Darin ist zu sehen, wie die Jugendliche die Polizeiwache betritt. Es kommt zum Gerangel mit einem Polizisten. Die 17-Jährige habe ein Messer bei sich getragen, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Als weitere Beamte dazukommen und die Jugendliche auf einen Polizisten losstürmt, feuern zwei Beamte insgesamt fünf Schüsse auf sie ab. Das Mädchen soll Medienberichten zufolge psychisch krank gewesen sein. Der Vorfall vom 22. Januar wird nun untersucht, die drei beteiligten Polizisten wurden vom Dienst suspendiert.

In den USA sterben immer wieder Bürger durch Polizeigewalt. Im Sommer 2014 war es in der Stadt Ferguson zu einem Vorfall mit weitreichenden Folgen gekommen. Dort hatte ein weißer Polizist auf den unbewaffneten Schwarzen Michael Brown geschossen und den 17-Jährigen getötet. Es folgten schwere Unruhen. Eine Geschworenenjury entschied später, dass der Polizist nicht vor Gericht muss. Auch in anderen Landesteilen wie etwa in New York sorgten darauf Berichte über Fälle von Polizeigewalt für Empörung.  

In der Pressemitteilung des Polizeidepartments Longview werden sowohl die Namen der beteiligten Polizisten, wie auch der Name der 17-Jährigen genannt (Kristiana Coignard). Dies ist in den USA - im Gegensatz zu Deutschland - üblich. Auf dem ebenfalls veröffentlichten Video der Überwachungskamera ist zu sehen, wie ein Polizist das Mädchen auf den Boden drückt und fixiert. Das Video ist ohne Ton und zeigt, wie Coignard ohne ersichtlichen Grund auf den Beamten Glenn Derr zustürmt. Bei genauem Hinsehen ist ein Messer in der Hand des Opfers zu erkennen, mit welchem sie auf den Beamten zustürmt. Laut Aussage der Polizisten soll sie dieses im Hosenbund gehabt haben. Zwei weitere Polizisten kommen in die Wache und richten ihre Waffen auf das Mädchen. Sie sollen Warnschüsse abgegeben haben. Die Frage ist, warum der Polizist, der das Mädchen mehrmals zu Boden gedrückt hatte, ihr das Messer nicht abnimmt. Und vor allem, warum drei gestandene Polizeibeamte fünf tödliche Schüsse auf ein 17-jähriges Mädchen abfeuern mussten, auch, wenn diese mit einem Messer bewaffnet war. Hätte es nicht auch ein Schuss in die Beine getan?

Der Polizeichef von Longview, Don Dingler, ist der Meinung, dass die Aufnahmen das Vorgehen seiner Offiziere und deren Waffeneinsatz rechtfertigen. Laut Pressemitteilung hat das Opfer um 18:28 Uhr die Wache betreten und das öffentliche Notfalltelefon betätigt. In welcher Notfallsituation sich das Mädchen befand, sagt die Pressemittelung nicht. In den Sozialen Medien herrscht rege Empörung über den Vorfall, Bilder der 17-jährigen Coignard gehen herum. (mit dpa)

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