Welt : Neuer Präsident für die Gesundheit Jörg Hacker folgt am RKI Reinhard Kurth

Paul Janositz

Für Jörg Hacker war gestern ein großer Tag. Am Vormittag wurde der 56-jährige Mikrobiologe von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in das Amt als neuer Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) eingeführt. Am Nachmittag bestieg er das Flugzeug von Berlin nach Paris, wo ihm am Abend der mit 22 000 Euro dotierte Gay-Lussac-Humboldt-Wissenschaftspreis verliehen wurde. So wichtig dieser Preis sein mag – er ist einer von vielen, die der im mecklenburgischen Grevesmühlen geborene Professor an der Universität Würzburg und Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft schon erhalten hat.

Bisher einmaliger Höhepunkt seiner Karriere dürfte dagegen die Position sein, die er in Berlin einnehmen wird. Als Nachfolger des scheidenden Präsidenten Reinhard Kurth – er geht in den Ruhestand – wird Hacker Chef von 800 Mitarbeitern. Er übernimmt das RKI zu einem Zeitpunkt, an dem dessen Bedeutung stark zunimmt. Dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt, soll das RKI zur zentralen Einrichtung für die Gesundheitsvorsorge werden. Dafür gibt es nach Auskunft von RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher in diesem Jahr 49 zusätzliche Stellen, in den nächsten Jahren sollen weitere 100 folgen. Auch der Etat wird kräftig aufgestockt. Es ist nicht zuletzt ein Verdienst von Reinhard Kurth, dass das RKI nun diese Schlüsselstellung für den öffentlichen Gesundheitsschutz erhält. Der 65-jährige Virologe hat diverse Institutionen geleitet, teilweise sogar nebeneinander. So war es 1996 zu Beginn seiner Tätigkeit am RKI, als er noch drei Jahre lang parallel das Paul-Ehrlich-Institut in Langen führte. Die für Impfstoffe zuständige Bundesbehörde hatte er seit 1986 geleitet. Von 2004 bis 2007 strukturierte Kurth das Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) neu. In seiner Arbeit interessierte er sich besonders für die Abwehr von Infektionskrankheiten wie Sars, Grippe oder Aids. Auf diesem Gebiet wird er die nächsten Jahre auch weiterarbeiten, denn seine Forschungsgruppen am RKI liegen ihm am Herzen.

Sein Nachfolger will sich verstärkt um bakterielle Erkrankungen kümmern. Dringend ist die Entwicklung neuer Antibiotika, zeigen sich doch erschreckend viele Bakterien als resistent gegenüber herkömmlichen Mitteln. Eine wichtige Aufgabe sieht Hacker in der Erforschung von Alterskrankheiten. Bundesweit leiden 800 000 Menschen an Demenzen wie Alzheimer. die Zahl wird weiter wachsen. Durch Bakterien hervorgerufene schwere Lungenentzündungen sind für Ältere besonders gefährlich. Infektionen durch hartnäckige Krankenhauskeime und die Gefahren durch Bioterrorismus nennt Hacker als weitere Gebiete, denen sich das RKI verstärkt widmen wird.

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