Welt : Neues Wachstum in Italien

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Allein das Bild hat einen Aufschrei in Italien verursacht: Berlusconi in bequemer, weißer Schlabberhose, darüber im Winde wehend ein schneeweißes Leinenhemd, aufgeknöpft bis zum Bauchnabel, freiliegend die gebräunte, behaarte Brust; um den Kopf geknüpft ein weißes Piratentuch, vor der Stirn prangte eine Sonne. So hat Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Wochenanfang das britische Urlauberpaar Tony und Cherie Blair durch „sein“ Sardinien geführt, mitten durch die erstaunte Touristenmenge, damit möglichst viele sein Aussehen mitbekamen.

„Bellissimo“ sollen ihm alte Damen zugerufen haben; doch die Opposition unkte: „Absolut unwürdig. Er kam daher wie eine Siebzigjährige im Minirock.“ Dann traten die Berlusconisten auf den Plan: Warum das Kopftuch? Wollte Berlusconi eine neue Mode ausrufen? Nein, nein, nur ein Sonnenbrand, der von der Gartenarbeit zurückgeblieben ist, schallte es aus der Umgebung des neuen Sonnenkönigs zurück. Verdachtsmomente aber blieben, und am Ende gab der Arzt Piero Rosati aus Ferrara zu: „Ich war’s. Ich habe bei Berlusconi eine Haartransplantation vorgenommen.“ Die Eitelkeit des mittlerweile 67jährigen Silvio Berlusconi ist sprichwörtlich. Es fängt damit an, dass er sich mit 1,68 Körpergröße offenbar dauernd zu klein vorkommt. Mit angepassten Schuhen und speziellen Sitzarrangements versucht er, sein Niveau zu heben.

Dann war er zu Jahresanfang für drei Wochen verschwunden; nachher stellte sich heraus, er hatte sich liften lassen, wohl nicht zum ersten Mal, und seinen Kabinettskollegen legte er nahe, dies auch mal zu probieren. Er sei davon überzeugt, sagte der frisch hergerichtete Berlusconi, dass sich Politiker für ihre Wähler unbedingt schön machen müssten.

Jetzt, bei den Abendessen in seiner Privatvilla La Certosa, soll er wieder einmal als Sänger napoletanischen Liedguts brillieren und genauso auftreten wie in seiner fernen Jugend, als Silvio Berlusconi sein erstes Geld als Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen verdiente.

Die offiziellen Fotos von Berlusconi sind übrigens seit Jahren retuschiert: Sein mittelstarker, gar nicht besonders übermäßiger Haarausfall wird dank moderner Computertechnik einfach weggepixelt. Ob die Arbeit des Arztes nun überflüssig war, soll sich um Weihnachten herum zeigen. Doktor Rosati verspricht den Italienern zwar keine volle Mähne, aber: „Eine Verbesserung gibt es sicher.“ Und die interessierte Presse des Landes wird nun alle paar Tage mit der Schlagzeile aufwarten: „Neues Wachstum in Italien!“

Ach ja: die Konjunktur? Der Arbeitsmarkt? Aber wer denkt an so etwas?

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