• Neujahrsfeste in Asien: Vietnam im Tet-Fieber: fahrende Bäume und emsige Polizisten

Neujahrsfeste in Asien : Vietnam im Tet-Fieber: fahrende Bäume und emsige Polizisten

Tet ist das größte Fest im vietnamesischen Kalender, es wird zeitgleich mit dem chinesischen Neujahr gefeiert. Die Menschen freuen sich auf allerlei merkwürdige Traditionen.

Ein Moped-Fahrer in Vietnam fährt zwei "Kumquat-Bäume" nach Hause - Am Mittwoch steht das Neujahrsfest an. Die ein, zwei Meter hohen Bäumchen müssen 1. Blüten, 2. Früchte und 3. junge Blätter haben. Foto: dpa
Ein Moped-Fahrer in Vietnam fährt zwei "Kumquat-Bäume" nach Hause - Am Mittwoch steht das Neujahrsfest an. Die ein, zwei Meter...Foto: dpa

Seit Tagen ist Vietnam in Silvesterlaune: Häuser werden geschrubbt, Behörden geschlossen, Einkäufe erledigt. Das Neujahrsfest Tet, das zeitgleich mit dem chinesischen Neujahr gefeiert wird, steht vor der Tür. Dann steht das Land tagelang still. Um Mitternacht gibt es Böller, am Neujahrstag (19. Februar) beginnt ein langer Reigen von Familienbesuchen.

Untrügliche Zeichen von Tet:

BARGELD WIRD TEUER: Zum Neujahrsfest wird Geld geschenkt, es müssen aber brandneue Scheine sein, am besten mit einer Glück bringenden Seriennummer. 68 ist gut, weil die Zahlen in altem Vietnamesisch nach Geld und Fortschritt klingen. Solche Scheine sind teuer: zwölf Prozent auf den Nennwert schlagen Geldwechsler drauf, berichtet die Zeitung „Vietnam News“. Webseiten preisen die Ware an. So ein Wucher ist zwar eigentlich verboten, aber Gelegenheit macht Diebe. Populär sind dieses Jahr auch 1000-Schilling-Noten aus Uganda und 50-Rupien Noten aus Nepal. Warum? Sie zeigen Ziegen - und sollen zum neuen „Jahr der Ziege“ Glück bringen. Sie gehen für bis zu zehn Mal über den Nennwert unter dem Ladentisch durch.

GELDFLUT IM TEMPEL: Touristen staunen, wenn sie in Tempeln oder in der ältesten Akademie in Hanoi, dem Literaturtempel aus dem 11. Jahrhundert, durch Geldscheine waten. Die gespendeten Banknoten sollen Glück bringen, oder, wie an der Akademie, gute Noten für den Nachwuchs. Da es eine symbolische Geste ist, sind die Vietnamesen schlau. Sie nehmen hierfür oft 500- oder 1000 Dong-Noten gefragt, die nur ein paar Cent wert sind. Die sind dieses Jahr aber Mangelware, weil die Notenbank spart und keine Extranoten mit geringem Nennwert drucken ließ. Mancher mogelt deshalb mit Spielgeld, auch zu Tet sehr gefragt. Die Papierstücke in Dong oder Dollar werden eigentlich für die Ahnen bedruckt. Damit werden die Ahnenaltäre zu Hause geschmückt, denn die Verstorbenen feiern bei jedem Tet-Fest mit.

FAHRENDE KUMQUAT-BÄUME: Ein Haus an Neujahr ohne Kumquat-Baum - das geht gar nicht. Die ein, zwei Meter hohen Bäumchen müssen 1. Blüten, 2. Früchte und 3. junge Blätter haben. Das steht für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und soll Reichtum und Glück bringen. Die Bäume werden in großen Blumentöpfen gezüchtet und vor dem Fest wie Lasten aller Art vorzugsweise mit dem Moped transportiert. Überall im Land schaukeln unzählige Bäume mit ausladenden Ästen und orange-farbenen Früchten - auch Zwergpomeranzen genannt - durch den chaotischen Verkehr.

EMSIGE POLIZISTEN: Die Verkehrspolizei ist seit Ende Januar besonders fleißig, stöhnen Vietnamesen. Überall Kontrollen. Irgendetwas gibt es immer zu bemäkeln, und sei es, dass der Kumquat-Baum schief auf dem Moped hängt. In dem korruptionsgeplagten Land sehen Ordnungshüter allerdings gegen kleine Gaben gnädig von Anzeigen ab - böse Zungen sagen, die Beamten wollten vor Tet nur ihre Festtagskasse aufbessern. (dpa)

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