• Neun Mitarbeiter erschossen: UNO stoppt Polio-Impfungen in Pakistan nach Morden

Neun Mitarbeiter erschossen : UNO stoppt Polio-Impfungen in Pakistan nach Morden

Nach tödlichen Angriffen auf Mitarbeiter wurde ein Programm zur Impfung gegen Kinderlähmung in Pakistan vorerst gestoppt. Sie reagierten damit am Mittwoch auf eine Angriffsserie, bei der seit Wochenbeginn neun Mitarbeiter einer Impfkampagne erschossen wurden.

In Pakistan ist Kinderlähmung noch immer eine weitverbreitete Krankheit. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF führt deswegen eine Impfkampagne durch.
In Pakistan ist Kinderlähmung noch immer eine weitverbreitete Krankheit. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF führt deswegen eine...Foto: AFP

Der Kampf gegen die hoch ansteckende Krankheit erlitt damit einen weiteren Rückschlag. Die Arbeit für die Polio-Impfkampagne des UN-Kinderhilfswerks UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation WHO sei im ganzen Land ausgesetzt, sagte ein UNICEF-Sprecher. Zuvor waren am Mittwoch im Nordwesten des Landes drei Mitarbeiter von Impfteams erschossen worden. Bereits am Montag und Dienstag waren sechs Helfer bei Angriffen getötet worden.

Pakistan ist eines von weltweit drei Ländern, in denen die Kinderlähmung noch verbreitet ist. Der Kampf gegen die Krankheit wird durch Widerstände der radikalislamischen Taliban erschwert. In der Bevölkerung ist ein Gerücht verbreitet, hinter der Polio-Schluckimpfung verberge sich in Wirklichkeit eine Verschwörung, mit der Muslime unfruchtbar gemacht werden sollten.

Verschärft wurde das Misstrauen durch eine falsche Hepatitis-Impfkampagne des US-Geheimdiensts im März 2011 in Abbottabad. Der Einsatz in der nordpakistanischen Garnisonsstadt diente dazu, DNA-Proben von der Familie des Al-Qaida-Führers Osama bin Laden zu bekommen, der dort vermutet wurde. Die Proben bestätigten den Verdacht, am 2. Mai 2011 tötete ein US-Sonderkommando Bin Laden in dessen Versteck in Abbottabad. Ende Mai wurde ein pakistanischer Arzt wegen seiner Beteiligung an der angeblichen Impfkampagne zu 33 Jahren Haft verurteilt.

Die radikalislamischen Taliban in der Stammesregion Waziristan hatten im Juni Polio-Impfungen in dem Gebiet als Versuch der Spionage verboten. Nach Behördenangaben ist dadurch die Gesundheit von 240.000 Kindern bedroht. Lag die Zahl der Fälle von Kinderlähmung in Pakistan 2005 noch bei 28, stieg sie im vergangenen Jahr auf 198. Damit lag das Land an der Spitze der weltweiten Statistik. In diesem Jahr infizierten sich bisher 56 Kinder mit dem Virus. (AFP)

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