• New York begrüßt das neue Jahr mit dem "Ball Drop" und einer Feier rund um die Uhr

Welt : New York begrüßt das neue Jahr mit dem "Ball Drop" und einer Feier rund um die Uhr

Eva Schweitzer

Kathryn Strauss kann von ihrem Büro aus das letzte große Spektakel des Jahrhunderts überblicken, das auf New York zurollt: Die Millenniumsfeier am Times Square mit dem "Ball Drop", wo ein zwei Meter großer Aluminiumball, bestückt mit 180 Halogenleuchten, 144 Stroboskoplampen, einer 10 000-Watt-Xenon-Leuchte und 12 000 Kristallen eine Minute vor Mitternacht an einer Stange vom Dach des Hauses One Times Square herabgleitet. Die junge Frau mit dem rotblonden Pferdeschwanz sitzt im 23. Stock des Hochhauses und arbeitet für "Countdown Entertainment", die den "Ball Drop" und das zugehörige Merchandising organisiert - vom Kristallball zum Anstecken bis zum Jahr-2000-Champagnerglas.

1,5 Millionen Menschen werden sich voraussichtlich auf dem Times Square drängeln, 300 bis 500 Millionen werden das Ereignis im Fernsehen erleben. Zum Millennium ist eine 24-Stunden-Feier geplant, ab sieben Uhr früh. Wer am Times Square arbeitet, bekommt einen speziellen Pass, um überhaupt von der Polizei durchgelassen zu werden. Riesige Fernsehschirme an den Hochhäusern rund um den Platz bringen Bilder von Menschen aus aller Welt ins Herz von Manhattan: Jerusalem, Sri Lanka, Rio de Janeiro, Island. Eine große Uhr zählt die Sekunden, Musik und ein Ballett großer Puppen auf einer Bühne werden die Massen unterhalten.

Um die Veranstaltung, für die 1000 Helfer engagiert wurden, kümmert sich der "Times Square Business Improvement District", ein Verein von Grundeigentümern und Kaufleuten. Chairman für das Ereignis ist Arthur Sulzberger Jr., Verleger der New York Times, dessen Urgroßvater Adolph Ochs den "Balldrop" 1907/08 erfunden hat. Das Hochhaus mit der Stange obenauf war früher der Sitz der Zeitung. Schon damals drängelten sich Hunderttausende zum Times Square.

Vor kurzem hat der ehemalige New Yorker FBI-Chef Jim Kallstrom vor Terroristen gewarnt, die Bomben auf den Times Square werfen könnten. Dem hat Bürgermeister Rudy Giuliani flugs widersprochen: Die Polizei, mit 7000 Cops, teils undercover, vertreten, habe alles im Griff. In den Gängen unter dem Asphalt werden Polizeihunde patrouillieren, die Bomben erschnüffeln können. Sowieso sind Alkohol und Knallkörper verboten und viel Bewegungsfreiheit gibt es auch nicht: Die Polizei stellt an jeder Querstraße ihre blauen Absperrgitter auf.

Giuliani selbst wird den "Balldrop" allerdings wohl nicht auf dem Dach von One Times Square erleben: Er verbringt die Jahrtausendwende in seinem neuen kugelsicheren "Bunker" im World Trade Center. Allerdings nicht, weil er Angst vor Terroristen hat, sondern wegen Y2K, dem möglichen Computercrash zu Mitternacht.

Das Gros der Besucher kommt übrigens aus anderen Staaten: Viele New Yorker sind geflohen und haben ihre Wohnungen an Touristen vermietet, für tausende von Dollars. Manch ein Geschäftemacher hat sich jedoch verkalkuliert: Dinnerparties ab 2000 Dollar pro Abend sind noch zu haben.

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