Welt : New York: Mühsame Rückkehr zum Alltag

Die Luft im Süden von Manhattan ist auch sechs Tage nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center von Rauch und Staub erfüllt. Bergungstrupps quälen sich mühsam durch Schuttberge, in denen sie immer wieder auf grausige Funde wie Teile von getöteten Menschen stoßen. Aber trotz allem war New York am Montag fest entschlossen, tief durchzuatmen und den normalen Alltag wieder aufzunehmen.

"Das Leben der Stadt geht weiter", ermutigte Bürgermeister Rudolph Giuliani die 16 Millionen Einwohner, von denen 1,5 Millionen in Manhattan leben. "Die Leute sollen wieder ihrem gewohnten Alltag nachgehen." Wer dabei durch Manhattan muss, sollte sorgfältig auf jeden Schritt achten. Durch die engen Straßen im Süden des Stadtteils ziehen sich schwere Kabel für die Strom- oder Wasserversorgung. Auf dem Bürgersteig dröhnen schwere Stromgeneratoren. Die U-Bahn-Station Wall Street ist noch geschlossen, nur die U-Bahn-Strecken an der Ostseite von Manhattan sind in Betrieb. Eine neu eingerichtete Fährlinie befördert Fahrgäste, die aus Brooklyn den East River überqueren müssen. Die Straßen sind für den Autoverkehr gesperrt.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige "Das ist schwer, jetzt einfach wieder die Alltagsgeschäfte aufzunehmen", sagt Anna Blasi auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz als Casting-Direktorin, wenige Kilometer nördlich der Ruine des World Trade Centers. "Ich stehe hier, und tausende andere sind nicht mehr da." Aber der Buchhalter Tony Sewell sieht in der Rückkehr zur Normalität auch einen Beitrag zum Kampf gegen den Terrorismus: "Man muss weitermachen und zeigen, dass sie keinen Erfolg haben." Nach positiven Tests der Computernetze bereiteten sich die Finanzinstitute am Montag auf die Fortsetzung des Aktienhandels an der Wall Street und der Nasdaq vor.

Der Deutsch-amerikanischen Handelskammer in New York liegen keine Informationen über im WTC vermisste Mitarbeiter deutscher Unternehmen vor. Bekannt ist der Kammer aber, dass die meisten deutschen Mieter im WTC ihre Büros in den unteren Etagen hatten und deshalb wohl alle Mitarbeiter vor dem Einsturz der Gebäude retten konnten. Aus Wirtschaftskreisen erfuhr der Tagesspiegel, dass die Mitarbeiter der New Yorker Kammer selbst durch eine glückliche Fügung vor der Katastrophe bewahrt wurden. Der Kammer, die aus ihren derzeitgen Räumlichkeiten ausziehen muss, lag ein Mietangebot des WTC vor, das von der Kammer jedoch nicht akzeptiert worden war.

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