Welt : New York: Wie hoch soll Trinkgeld sein?

Wer in New York so richtig schön ausgehen will, kann für einen besseren Platz in der Oper und für ein feines Abendessen mühelos jeweils 250 Dollar ausgeben - pro Kopf, versteht sich. Aber selbst an exklusive Preise akklimatisierte New Yorker sind von der Empfehlung ihrer Behörde für Verbraucherschutz verblüfft, auf die Restaurantrechnung noch 25 Prozent Trinkgeld aufzuschlagen.

"Die Bedienung in Restaurants und Gaststätten ist bei ihrem Einkommen zum großen Teil auf Trinkgeld angewiesen", erklärte die Behörde. "Wenn der Service also zufrieden stellend war, sollte man entsprechend Trinkgeld geben." Einverstanden. Aber 25 Prozent? Selbst Tim Zagat, Herausgeber des viel beachteten Restaurantführers Zagat Survey, ist verdutzt. "Ich habe noch nie davon gehört, dass das einer gemacht hat." Nach seinen Angaben liegt der New Yorker Trinkgeld-Durchschnitt bei immerhin 18,3 Prozent. Das ist zwar weniger als beispielsweise New Orleans (18,7) oder Philadelphia (18,6), liegt aber über dem Durchschnitt in den meisten Westküstenstädten, wo 17,8 Prozent üblich sind.

Mit den Erwartungshaltungen bezüglich des Trinkgelds in den USA haben nicht zuletzt Europäer ihre Schwierigkeiten - ihnen ist der Gedanke fremd, das bei relativ hohem Preisniveau ein ordentlicher Lohn für Kellnerin oder Barmann noch nicht enthalten ist. Der Engländer Jon Abrams erzählt verwundert, dass er von einem Barmann als Ausbeuter beschimpft wurde, als er auf eine Getränkerechnung von acht Dollar einen Dollar "Tip" aufgeschlagen hatte. "In England geben wir nicht so viel Trinkgeld. Als Engländer kann ich wirklich nicht nachvollziehen, so viel mehr auf die Rechnung draufschlagen zu müssen."

"Trinkgeldpflichtig" sind in den USA fast alle Dienstleistungen. Die New Yorker Behörde empfiehlt beispielsweise einen Dollar für Toilettenpersonal und 20 Prozent des Fahrpreises für einen "höflichen" Taxifahrer, der Englisch spricht und ein sauberes Fahrzeug fährt. Bei Dienstleistungen wie von Busfahrern bis Türstehern liegt man mit einem Dollar immer richtig. Garderobenfrauen, Gepäckträger bekommen bis zu einem Dollar pro Teil, Zimmermädchen einen Dollar pro Nacht und Person.

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