• New Yorker Polizisten vor Gericht: Freispruch trotz 50 Schüssen auf Unbewaffneten

New Yorker Polizisten vor Gericht : Freispruch trotz 50 Schüssen auf Unbewaffneten

Ein Gericht in New York hat drei Polizisten freigesprochen, die auf einen unbewaffneten Mann vor anderthalb Jahren mehr als 50 Schüsse abgefeuert hatten und ihn damit töteten.

New York
Die Verhandlung wurde von Protesten begleitetFoto: AFP

New YorkIn seinem am Freitag ergangenen Urteil sah Richter Arthur Cooperman kein kriminelles Fehlverhalten im Vorgehen der Beamten, die den 23-jährigen Sean Bell im November 2006 am Vorabend seiner Hochzeit in einem regelrechten Kugelhagel erschossen. Begleitet wurde der Richterspruch von lauten Protesten der Hinterblieben und ihrer Unterstützer im Gerichtssaal. Wegen der Furcht vor gewaltsamen Unruhen waren vor dem Gebäude rund tausend Polizisten aufmarschiert.

Der nächtliche Polizeieinsatz am 25. November 2006 hatte in den USA für Empörung gesorgt: Die Polizisten erschossen den Afroamerikaner Bell, als er zusammen mit Freunden einen Nachtklub verließ, in dem er seinen Jungesellen-Abschied gefeiert hatte. Wenige Stunden später hatte er heiraten wollen. Hinterher gaben sie an, sie hätten in Notwehr auf Bells Auto gefeuert, nachdem dieses sie beinahe überfahren hätte. Dabei wurde einer der beiden Begleiter Bells schwer verletzt. Richter Cooperman folgte in seinem Urteil dieser Darstellung des Hergangs. Anders als von der Polizei befürchtet kam es nach dem Richterspruch zunächst nicht zu Unruhen.

"50 Kugeln sind keine Gerechtigkeit"

Insbesondere die ungewöhnlich hohe Zahl der Schüsse hatte der Polizei den Vorwurf maßloser Härte eingebracht. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hatte nach dem Einsatz von "exzessiver Gewalt" seitens der Polizei gesprochen. Vor dem Gerichtsgebäude in Queens trugen Demonstranten am Freitag T-Shirts mit der Aufschrift "50 Kugeln sind keine Gerechtigkeit". In empörten Sprechchören skandierten sie "Mörder" und "Schande". Einzelne riefen "KKK" - das Kürzel steht für den rassistischen Geheimbund "Ku Klux Klan".

Begleitet wurde die Aufarbeitung des Falles von dem Verdacht, rassistische Voreingenommenheit gegen den dunkelhäutigen Bell habe die Polizisten zu ihrem harten Vorgehen motiviert. Der Hauptangeklagte Michael Oliver ist weiß, er allein soll den Ermittlungen zufolge 31 Kugeln abgefeuert haben. Sein Kollege Gescard Isnora - er ist lateinamerikanischer Abstammung - feuerte demnach elf Mal, der afroamerikanische Polizist Marc Cooper vier Mal. Bei einer Verurteilung hätten Oliver und Isnora bis zu 25 Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung und Cooper maximal ein Jahr Haft wegen leichtsinniger Gefährdung von Menschen gedroht. (ps/AFP)

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