Welt : Nicht die feine englische Art

Prinz William soll per Handy mit Kate Middleton Schluss gemacht haben – was Psychologen sagen

Adelheid Müller-Lissner

Nicht allein, dass er es getan hat, sondern auch, wie es geschah, bewegt jetzt die Gemüter. Per Handy soll Prinz William seine mehrjährige Beziehung zu Freundin Kate Middleton beendet haben, das berichtet jedenfalls der „Daily Mirror“.

Diese Art des Schlussmachens wirkt nicht gerade wie der Beweis für eine besonders edle Kinderstube des 24-jährigen Enkels der Queen. Ist es nicht sogar feige, der Lebensgefährtin nicht in die Augen zu schauen, während man ihr nach Jahren der Nähe eine solche einschneidende Mitteilung macht? Zeugt es nicht von Missachtung der Persönlichkeit des anderen, vielleicht auch von Schwäche? Paartherapeuten warnen vor einer pauschalen Antwort auf diese Fragen. „Mit einem Anruf Schluss zu machen könnte tatsächlich eine Form sein, mit der eine Auseinandersetzung vermieden werden soll“, sagt die Berliner Psychotherapeutin Imke Dierks. Es gibt die berechtigte Angst, beim persönlichen Gespräch erneut in Muster hinzugeraten, denen man mit der Trennung gerade entkommen will: Auch Tränen könnten den Abstand wieder zunichte machen, den man sich gerade mühsam erarbeitet hat.

„Wenn wir uns für einen Anruf entscheiden, entledigen wir uns dagegen weitgehend des Atmosphärischen“, sagt Paartherapeutin Dierks. Gestik und Mimik des Gesprächspartners werden nicht sichtbar. Gerade bei dem Menschen, den man noch bis vor kurzem liebte, könnten sie zum Anlass für Rührung und Mitleid werden. Und damit zum eigentlichen Motiv für eine erneute Versöhnung. Am Telefon mussman dagegen nicht mitansehen, wie sehr man dem anderen weh getan hat. Ein Telefongespräch kann man zudem leichter abbrechen. Man kann es vorbereiten und den Text möglicherweise sogar ablesen.

Und man kann das Handy gleich zum Schreiben nutzen: Jeder fünfte Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren hat, einer Studie des englischen Meinungsforschungsinstituts Mori zufolge, schon einmal per SMS mit jemandem Schluss gemacht. Wie intensiv und lang andauernd man da vorher wirklich „zusammen“ war, ist die zweite Frage – die in der Studie allerdings nicht gestellt wurde.

Per Kurzmitteilung kann man kaum die Gründe für den Abbruch einer Beziehung erläutern. Man sagt aber mit der schnöden Kurzmitteilung etwas über den Stellenwert aus, den sie im eigenen Leben hatte. Hat man sich überhaupt erst zwei-, dreimal getroffen, dann mag das angemessen sein. „Zu mir kommen aber auch Klienten, die nach einer halbjährigen Beziehung eine Abschieds-SMS bekommen“, erzählt Dierks. „Das ist eine entwertende Form, eine Beziehung zu beenden“, findet ihre Kollegin Monika Häußermann. Vor allem die Frauen, die zu ihr kommen, berichten zunehmend darüber, sich von solchen Formen des Beziehungsabbruchs gedemütigt zu fühlen. Häußermann und ihre Kollegen beobachten, dass neuen Formen des Kennenlernens, etwa bei Chatten im Internet, auch neue Kommunikationswege für die Trennung entsprechen.

Eigentlich sei es nie sinnvoll, zum Abschied nur anzurufen oder gar nur eine SMS zu schicken, sagt die Paartherapeutin. Im Einzelfall könne man aber verstehen, warum jemand diese Methode wählt. „Dann ist es oft Ausdruck einer tiefen Resignation, man hat die Hoffnung aufgegeben, mit dem anderen noch reden zu können.“ In ganz extremen Fällen kann auch die Angst vor einer gewalttätigen Reaktion des Partners eine Rolle spielen.

Oft sind dem Abschied bereits lange Gespräche vorausgegangen. So soll es auch im Fall von William und Kate gewesen sein.

Den „kurzen Brief zum langen Abschied“ – so der Titel eines Peter-Handke-Romans – gibt es nicht erst, seit SMS geschrieben werden können. Traditionell aber sind Abschiedsbriefe lang, gefühlvoll, erklärend, vielleicht sogar um Verständnis und Nachsicht werbend. Der Schreiber zieht sich dafür zurück, denkt nach, lässt die schönen und die weniger schönen Stunden Revue passieren und zieht Bilanz. Dann schläft er oder sie noch einmal eine Nacht darüber, statt am Handy gleich auf „Senden“ zu drücken. „Für den Empfänger haben Briefe zudem den Vorteil, dass man sie mehrmals lesen und in Ruhe antworten kann“, sagt Dierks. Und zum krönenden Abschluss kann man sie dann auch noch verbrennen.

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