Welt : Nicht nur für Insider: Telefonieren über das Internet

Es ist nicht das erste Mal, dass Niklas Zennström und Janus Friis für Aufsehen sorgen. Mit der Entwicklung der Musiktauschbörse KaZaA im Jahr 2002 brachten sie die Musikindustrie gegen sich auf. Ihre neue Software namens Skype macht Telefonanbietern Konkurrenz. (04.03.2005, 17:30 Uhr)

Hamburg - Skype ermöglicht das weltweite Telefonieren über das Internet - kostenlos von Skype-Nutzer zu Skype-Nutzer und gegen Gebühren ins Mobil- und Festnetz. 28 Millionen Menschen telefonieren nach Angaben von Skype weltweit bereits mit der Software. «In Deutschland haben wir 1,75 Millionen registrierte Skype-Nutzer», sagt Sprecherin Kat James.

Die Zeiten, in denen das Telefonieren über das Internet nur ein Thema für Insider war, sind also vorbei. Immer mehr Telefonanbieter setzen auf die neue Technik Voice over IP (VoIP - Stimme über Internet-Protokoll). Mit VoIP werden die Telefonate in Datenpaketen übertragen. Zur Verbreitung von VoIP trägt maßgeblich die Verbreitung von Breitbandanschlüssen bei. Experten schätzen, dass es bis Ende 2007 rund zehn Millionen DSL-Anschlüsse in Deutschland geben wird. Das wird auch VoIP zu mehr Akzeptanz verhelfen, denn wer keine Abstriche bei der Sprachqualität in Kauf nehmen will, braucht einen Breitband-Internetanschluss. Im Fall von Skype wird der PC mittels Kopfhörer und Mikrofon zum Telefon.

Dabei hat Skype keine eigenen Leitungen. Wie bei KaZaA nutzt auch Skype die Computer der angemeldeten Skype-Nutzer, um eine Verbindung herzustellen. Peer-to-Peer heißt das Verfahren. Da aber nicht jeder mit Headset am Computer telefonieren will, gibt es bereits Telefone, die mit Skype funktionieren. Neben anderen will auch der Handyhersteller Motorola Lösungen für Skype anbieten: Auf der Mobilfunkmesse 3GSM in Cannes hatte das Unternehmen im Februar bekannt gegeben, schon Mitte des Jahres Handys mit integrierter Skype-Funktion auf den Markt zu bringen. Die Verbindung mit dem Internet kann dann über WLAN laufen. Ob und wann Skype auf Motorola- Handys in Deutschland läuft, ist nach Motorola-Angaben noch nicht entschieden.

Wer mit Skype telefoniert kann andere Nutzer der Software anrufen und auch für wenig Geld ins Festnetz telefonieren. Anrufe aus dem Festnetz zu einem Skype-Anschluss sind dagegen nicht möglich. Anders bei Anbietern wie Sipgate, Nikotel, Web.de oder Freenet. Auch aus dem Festnetz sind die VoIP-Anschlüsse erreichbar. Allein Web.de hat nach eigenen Angaben 100 000 aktive Kunden, die VoIP-Telefonie nutzen. «Wir haben früh gesehen, dass Web und Telekommunikation verschmelzen», sagt Web.de-Sprecher Andreas Horst.

Während Skype auf einem eigenen, proprietären Format basiert, nutzen Web.de und andere das Übertragungsprotokoll SIP (Session Inititated Protocol). SIP habe sich inzwischen als Standard für VoIP- Telefonate durchgesetzt, sagt Urs Mansmann, Redakteur bei der Computerfachzeitschrift «c't». «Kostenlose netzinterne Gespräche lassen sich bei vielen SIP-Anbietern auch in andere VoIP-Netze führen.» Die Sprachqualität zwischen zwei VoIP-Anschlüssen sei unterdessen hervorragend. «Nur bei Gesprächen in Länder mit schlechter Internet-Infrastruktur kann es zu Problemen kommen», sagt Mansmann.

Wenn mit VoIP immer mehr Telefonate zum Nulltarif möglich sind, müssen sich auch klassischen Festnetzanbieter neu positionieren. Die Telekom-Tochter T-Online will ebenfalls ins Geschäft mit Telefonaten über das Internet einsteigen. Das Angebot soll auf der CeBIT vorgestellt werden.

Das Marktforschungsinstitut Gartner rechnet damit, dass 2010 etwa 40 Prozent aller Unternehmen bereits über VoIP telefonieren und somit ihr Daten- und Telefonnetz zu einem System zusammengeschlossen haben. VoIP wird demnach den Telefonmarkt massiv verändern. (Von Christiane Link, dpa) ()

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