Welt : Nicht ohne ihn

In jedem britischen Standesamt heiraten heute Homosexuelle – darunter auch Elton John und David Furnish

Matthias Thibaut[London]

Eigentlich wollte Elton John der erste sein. Nun muss er damit Vorlieb nehmen, dass seine Hochzeit die größte, schönste und medienwirksamste der rund 800 Homoehen ist, die in dieser Woche in Großbritannien zum ersten Mal geschlossen werden. Schwulenpaare in Nordirland und Schottland sind ihm zuvorgekommen, weil hier gleichgeschlechtliche Partnerschaften einen Tag früher geschlossen werden durften als in England. So waren Shannon Sickels und Grainne Close die ersten: Am Montag gaben sich die beiden jungen Frauen im Rathaus von Belfast das Ja fürs Leben. Im Standesamt sang Dolly Parton „Touch your woman“. Davor riefen fundamentalistische Protestanten : „Sodomie ist Sünde.“

Dafür dürfte Elton John als einziger eine Grußbotschaft von Ex-Präsident Bill Clinton erhalten: „Wenn es mehr Leute wie Elton gäbe, hätten wir eine bessere Welt“, soll Clinton sagen. Für die heutige Feier in der Guildhall von Windsor konnten sich der Popstar und sein langjähriger Lebenspartner David Furnish die Dienste von Großbritanniens prominentester Standesbeamtin sichern: Clair Williams, die „Superintendent Registrar“ des „Royal Borough of Windsor“, besorgte im April bereits die Legalitäten bei der Hochzeit von Prinz Charles und Camilla.

Eigentlich war eine Hochzeit im kleinen Kreis geplant. Aber dann setzte der Popstar, dem die Reichenliste der „Sunday Times“ trotz seiner notorischen Verschwendungsfreude ein Vermögen von umgerechnet 275 Millionen Euro bescheinigt, alle Hebel in Bewegung, um das Fest unvergesslich zu machen. Es begann am Montagabend im Too-2-Much-Club in Soho mit der „Stag Night“, der traditionellen Junggesellenfeier. Rockerfreunde wie Bryan Adams und Ozzy Osbourne mit seiner Frau Sharon waren zu Gast, Jake Shears von den nicht nur in Großbritanniens Schwulenszene rasend beliebten „Scissor Sisters“ sang „I am what I am“ und muskulöse Kellner, servierten – oben ohne und unten mit hautengen schwarzen Hosen und Reitstiefeln – den fast 200 Gästen Champagner und Sushi.

Bei der eigentlichen Zeremonie in Windsor soll es heute etwas ernster zugehen. Es werde der „glücklichste Tag meines Lebens“, schrieb John in einem Artikel im „Observer“, „aber ich werde an diejenigen denken, die weniger Glück haben als wir und in den vielen Ländern leben, in denen gleichgeschlechtliche Partnerschaften immer noch verboten sind.“ Erst letzten Monat seien in Abu Dhabi 26 Männer verhaftet worden, angeblich weil sie eine Homoehe gefeiert hätten, schrieb John – „Wir feiern unsere Liebe, andere leben in ständiger Furcht.“

Elton John heiratete 1984 die deutsche Toningenieurin Renate Blauel. Vier Jahre später wurde die Ehe geschieden. Als Bisexueller hatte sich der Sänger bereits 1976 in einem Interview mit dem Magazin „Rolling Stone“ geoutet. 1992 gründete er eine Aidshilfeorganisation und wurde zum Vorkämpfer für die Rechte von Schwulen. Den Werbefilmer David Furnish lernte er 1993 kennen.

Nur die Eltern des Brautpaars sollen an der Zeremonie teilnehmen, über die wenig bekannt wurde. Doch Clair Williams und ihr Team haben Elton John Hilfe bei der Ausgestaltung der für die Briten neuen Feier angeboten: „Wenn Sie diese Prozedur in irgendeiner Form etwas bange macht, wenden Sie sich an unsere professionellen Mitarbeiter. Die helfen ihnen gern an Ihrem ganz besonderen Tag“, heißt es auf der Website des Standesamts von Windsor – gerne dürften Paare die Registrierung als Zivilpartnerschaft mit „speziellen Treuegelübden, Gedichtrezitationen, Grußbotschaften und Musik verschönern“.

Das Gesetz über gleichgeschlechtliche Partnerschaften – das Wort „Ehe“ ist eigentlich nicht zulässig – wurde im letzten Jahr verabschiedet. Seit 5. Dezember dürfen sich Briten für den Zivilvertrag registrieren lassen. Nach einer 15 tägigen Bedenkfrist – in Nordirland nur 13 Tage – kann die Registrierung stattfinden. Es soll in ganz England kein Standesamt geben, auf dem am Mittwoch nicht mindestens eine solche Homosexuellenehe geschlossen wird. In Brighton, der Hochburg der britischen Homo-Szene, sind es allein in dieser Woche fast 200.

Das Gesetz stellt die registrierten Paare praktisch mit Ehepaaren gleich. Sollte es dazu kommen, muss auch eine Scheidung nach zivilrechtlichen Gesichtspunkten erfolgen. David Furnish erhält also, wenn es nicht gesonderte Eheverträge gibt, automatisch Anrechte auf Elton Johns Tantiemen, seine Villa in Nizza, sein großes Haus in Notting Hill, den Landsitz Woodside und seinen Anteil an Johns Rente.

Richtig gefeiert wird dann nach der standesamtlichen Zeremonie. Woodside war schon öfter Schauplatz legendärer Parties. Wieder ist ein Riesenzelt aufgestellt worden und Eltons Nachbarn aus dem „Popstar-Gürtel“ von Südwestengland dürften geschlossen erscheinen. Eine Million Pfund soll die Feier kosten, zwei „Action Men“-Figuren aus Kristallglas sollen die Tafel zieren. Ein 10 Millionen-Dollar-Angebot einer US-Filmfirma soll Elton John laut „Evening Standard“ abgelehnt haben. Geschenke der 700 geladenen Gäste werden nicht erwartet. Die Bräutigame haben stattdessen um Spenden für die Aidshilfe gebeten.

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