Nichtrauchergesetze : Schweißschwaden in der Disco

Einige Tage noch und Deutschland ist fast rauchfrei. Ein Triumph für die Nichtraucher - nur nicht in der Disco. Denn ohne Rauch riecht es nach Mensch - und der stinkt.

Marie Preuss
Rauch
Gestern Rauch, morgen Schweiß: Das Rauchverbot und seine Folgen. -Foto: ddp

BerlinUrlaub an der Westküste Irlands: salzige Luft, frischer Wind, ein Pint vor dem Pub auf der kleinen blauen Bank. Denn geraucht werden darf nur noch dort, aber es ist ja Sommer. Und dann mal eben hinein in die Schenke, in der heitere Iren singen und lachen. An der Türschwelle empfängt den Besucher keine blaudunstige Wand aus Rauch, sondern der fiese Geruch von Mensch, ein Gemisch aus Bier, Parfüm, Mundgeruch, Füßen und Schweiß.

Das kommt jetzt auch auf Deutschland zu. Dabei sollte doch mit dem Nichtrauchergesetz alles besser, schöner, gesünder werden im neuen Jahr. Selbst Raucher sahen dem 1. Januar zuversichtlich entgegen. Denn groß ist die Hoffnung, das Laster endlich aufgeben oder wenigstens eingrenzen zu können. Nicht mehr dem Gruppendruck beim Bier trinken zu verfallen, sich eine Zigarette nach der anderen anzustecken und nach der Kneipentour mit pfeifender Lunge in die Federn zu kriechen.

Nun tauchen die ersten Zweifel auf: Wie ist das wirklich, wenn in Clubs, Bars, Kneipen, Restaurants und Diskotheken nicht mehr geraucht werden darf? Deutschland ist Nachzügler in der Frage, unsere Nachbarn haben es längst gewagt, den Rauchern die Tür zu weisen.

Auch aus Italien werden Gruselgeschichten kolportiert. Die Hoffnung auf verführerische Blicke und heiße Tänze auf römischem Parkett wird getrübt, wenn die schönsten Männer im Raum stinken und der Partygängerin jeden Annäherungsversuch verleiden. Knallharte Realität dort, worüber sich einst der gnädige Mantel des Zigarettenrauchs legte.

Rauch aktiviert Warnsensoren

Denn der gewohnte Geruch wirkt - obwohl kein Balsam für Nase und Lunge - oft nicht so störend. Vor allem aber verdrängt er alle anderen üblen Nebenaromen. Hanns Hatt, Riechforscher und Professor für Zellphysiologie an der Universität Bochum kennt den Grund dafür: Zigaretten mit ihren Giftstoffen wie Nikotin erregen Sensoren auf dem Warn- und Schmerznerv "Nervus Trigeminus: Dieser Nerv hat die Aufgabe, uns vor Gefahren zu warnen. Wird er gereizt, reagiert das Gehirn sofort, indem der Duft in unser Bewusstsein kommt."

Deswegen nehme man in einem verrauchten Raum oft keine schwächeren Blumen-, Essens- oder Schweißdüfte mehr wahr. Die meisten Gourmet-Restaurants haben schon lange reagiert und verbieten das Rauchen seit langem. Das könne dazu führen, so Hatt, dass angesichts überparfümierter, schwitzender Menschen um einen herum die Sehnsucht nach Zigarettengeruch wiedererstehen kann.

Ob im Berghain in Berlin, im P1 in München oder im Golden Pudel Club in Hamburg: Der Geruch war bisher derselbe. Ab Jahreswechsel steht riecht es auch dort wie in Hessen seit dem 1. Oktober. Da gilt bereits ein umfassendes Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Tämur Ali Khan (31) aus Frankfurt war immer unentschlossen, ob er das Rauchverbot befürwortet oder nicht. Nun, nach einigen Monaten in seiner rauchfreien Stadt, konstatiert er: "In Kneipen finde ich es jetzt sehr angenehm. In Clubs aber denke ich manchmal, es sollte wieder geraucht werden  dürfen. Denn statt nach Qualm stinkt es an Tanzflächen und Bars nun nach Schweiß." Das sei "für die Nase viel stressiger als der Einheits-Zigarettengestank".

Vermutlich wird es aber wie immer nur halb so schlimm. Man gewöhnt sich an alles - und die panische Nase auch. Und wir Raucher haben in Wirklichkeit doch nur Angst vor dem 1. Januar 2008, dem Tag, an dem das Leben in Deutschland irgendwie anders wird. (mit dpa)

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