Niels H. : Mehr Opfer von mordendem Pfleger entdeckt

Niels H. tötete jahrelang Patienten, ohne dass es auffiel. Wegen fünf Taten sitzt der Pfleger im Gefängnis. Doch das ganze Ausmaß der Mordserie zeigt sich erst langsam.

Planen schirmen am 12.03.2015 eines der beiden von der Exhumierung betroffenen Gräber auf dem Friedhof in Ganderkesee (Niedersachsen) gegen Einblicke ab. Der wegen Mordes verurteilte Ex-Pfleger Niels H. könnte noch mindestens noch zehn weitere Menschen getötet haben. Das haben Exhumierungen auf Friedhöfen in Ganderkesee und Delmenhorst ergeben.
Planen schirmen am 12.03.2015 eines der beiden von der Exhumierung betroffenen Gräber auf dem Friedhof in Ganderkesee...Foto: dpa

Der wegen einer Klinik-Mordserie verurteilte Ex-Pfleger Niels H. könnte mindestens zehn weitere Menschen getötet haben. Ermittler ließen deren Leichen auf zwei niedersächsischen Friedhöfen ausgegraben und entnahmen Gewebeproben - das Ergebnis: Es wurden Rückstände des Herzmedikaments entdeckt, mit dem Niels H. andere Patienten tot gespritzt hat. „Er steht unter dringendem Tatverdacht“, sagt der Oldenburger Staatsanwalt Martin Rüppell am Mittwoch. Der 38-Jährige Niels H. ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und sitzt in Haft - wegen des Todes von fünf Patienten am Klinikum Delmenhorst westlich von Bremen.

Vor Gericht hatte er jedoch gestanden, von 2003 bis 2005 etwa 30 Patienten getötet zu haben. Damit könnte eine der größten Mordserien in Deutschland auf sein Konto gehen. Eine Sonderkommission der Polizei geht sogar mehr als 200 Verdachtsfällen in Delmenhorst und an der früheren Arbeitsstätte des Pflegers am Klinikum Oldenburg nach. In den vergangenen Monaten ließen die Ermittler nun 29 Leichen in Ganderkesee und Delmenhorst exhumieren - eine schlimme Zeit für die Angehörigen, werden doch mehr als zehn Jahre nach dem Tod der Verwandten alte Wunden wieder aufgerissen.

„Meine Mandanten sind traumatisiert“, sagt die Anwältin Gabby Lübben. Sie vertritt die Familien von fünf Toten, bei denen die Experten jetzt das Herzmedikament nachgewiesen haben. „Sie sind erschüttert und geschockt. Sie hatten nicht mit diesem Ergebnis gerechnet.“ Und gerade haben die Ermittler sieben weitere Gräber auf einem anderen Friedhof in Delmenhorst öffnen lassen. Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung liegen noch nicht vor. Dass es weitere Exhumierungen geben wird, steht aber schon fest. „Wir machen im August weiter“, sagt Soko-Sprecher Stephan Klatte. Auf welchen Friedhöfen, wollte er nicht verraten. Die Ermittlungen werden sich wegen der vielen Fälle bis ins nächste Jahr ziehen.

Doch vollständig aufklären wird die Soko die Mordserie wohl nicht mehr: Viele Patienten wurden nach ihrem Tod eingeäschert. Bei ihnen können die Experten das Herzmedikament nicht mehr nachweisen. Auch Kranke, die das Mittel sowieso nehmen mussten, fallen raus. Denn bei ihnen lässt sich nicht erkennen, ob ihnen jemand zusätzlich eine todbringende Dosis gespritzt hat. Dass sich Niels H. erneut vor Gericht verantworten muss, gilt als sicher. Die Staatsanwaltschaft will Anklage gegen ihn erheben, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. „Auch wenn er schon lebenslang hat, für die Angehörigen ist das wichtig“, sagt Lübben. Um wie viele Fälle es am Ende vor Gericht gehen wird, ist noch unklar. Lübben ist sich aber sicher, dass es viele sein werden. (dpa)

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