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Nigeria : Mindestens 65 Tote bei Anschlag auf Flüchtlingslager

Im Bundesstaat Borno gab es einen Selbstmordanschlag in einem Flüchtlingslager. Zwei Mädchen sprengten sich wohl vor der Essensausgabe in die Luft.

Wieder gab es einen Anschlag im Bundesstaat Borno in Nigeria - dieses Bild zeigt die Attacke auf ein Dorf vom 8. Februar durch Boko Haram.
Wieder gab es einen Anschlag im Bundesstaat Borno in Nigeria - dieses Bild zeigt die Attacke auf ein Dorf vom 8. Februar durch...Foto: dpa

Bei einem Anschlag in einem Flüchtlingslager in Nigeria sind am Dienstag mindestens 65 Menschen getötet worden, fast 80 Menschen wurden verletzt. Zwei verschleierte Mädchen hätten sich als Flüchtlinge ausgegeben, um Zugang zu dem Lager in der Stadt Dikwa zu erhalten, sagte ein Mitarbeiter der Behörde für Krisenmanagement der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Die Täterinnen hätten ihre Sprengstoffgürtel gezündet, als Hunderte Menschen an der Essensausgabe Schlange standen, hieß es.

Die Bombenattentate in der Nähe von Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, waren wohl bereits am Dienstag verübt worden, wie ein Vertreter des Militärs am Mittwoch mitgeteilt hatte. Weil die Telefonverbindung unterbrochen gewesen sei, habe man erst einen Tag später von dem Vorfall erfahren. .Der doppelte Selbstmordanschlag wurde in einem Lager verübt, in dem Menschen vor der Islamistengruppe Boko Haram Zuflucht suchen, wie Rettungskräfte im Bundesstaat Borno mitteilten.

Der Doppelanschlag war möglicherweise eine Racheaktion für Armeeangriffe in der vergangenen Woche auf drei Dörfer in der Nähe der Stadt Kalabalge in Borno, die als Hochburgen von Boko Haram gelten. Dabei waren dutzende militante Kämpfer getötet worden. Derzeit besucht Bundespräsident Joachim Gauck Nigeria.

Zuflucht vor Boko Haram

In dem rund 85 Kilometer von Maiduguri entfernten Lager haben den Angaben zufolge zahlreiche Menschen Zuflucht vor der Gewalt der radikal-islamischen Boko Haram gefunden. Ob diese Gruppe hinter den beiden Bombenanschlägen steckt, war zunächst nicht klar. In Borno tobt seit sieben Jahren ein Aufstand der Boko Haram. Die Extremisten-Organisation kämpft für einen streng islamischen Staat nach den Grundsätzen der Scharia. Immer wieder greift sie Ortschaften an und verübt Anschläge, häufig zwingt sie Gefangene zu Selbstmordattentaten. Boko Haram hat seit 2009 mindestens 14.000 Menschen getötet und Hunderte verschleppt, vor allem Frauen und Mädchen. Millionen Menschen sind vor der Gewalt auf der Flucht. Nigeria ist der größte Erdölexporteur Afrikas und mit 170 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land des Kontinents. (dpa, AFP, Reuters)

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