• Nitrofen-Skandal kann übertriebene Angst verursachen Psychologen warnen vor Zunahme von Zwangsneurosen

Welt : Nitrofen-Skandal kann übertriebene Angst verursachen Psychologen warnen vor Zunahme von Zwangsneurosen

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Osnabrück (dpa). Lebensmittelskandale wie im Fall von Nitrofen oder BSE können nach Expertenangaben schwerwiegende psychische Zwangserkrankungen hervorrufen. „Der Nitrofen-Skandal hat wieder eine neue Welle ausgelöste“, sagte der Leitende Psychologe der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ), Burkhard Ciupka-Schön, in einem dpa-Gespräch. „Zwangserkrankte nehmen wie durch ein Brennglas eine marginale Gefahr als große reale Bedrohung war.“ Sie verfügten nicht über gesunde Verdrängungsmechanismen, wie sie normale Verbraucher aufwiesen. Das könne sich zum Beispiel so auswirken, dass eine Mutter aus Angst vor pilzbefallener Nahrung ihrer Familie nur noch Tiefkühlkost zubereite. In den vergangenen Wochen hätten vermehrt Menschen wegen zwanghafter Angst vor verunreinigter oder vergifteter Nahrung therapeutischen Rat gesucht, sagte Ciupka-Schön. Genaue Zahlen konnte er nicht nennen. Zwänge zählen jedoch zu den häufigsten seelischen Störungen. Nach DGZ-Angaben leiden in Deutschland insgesamt rund eine Millionen Menschen an verschiedenen Zwangserkrankungen.

„Es ist sehr wichtig, dass Zwänge möglichst früh erkannt und behandelt werden“, sagte Ciupka-Schön. Häufig hätten die Betroffenen keine oder nur eine eingeschränkte Einsicht in ihre Erkrankung. In vielen Fällen seien sie zwar „verrückt bei völlig wachem Verstand“, hielten aber aus Scham ihren Zwang jahrelang geheim. „Während die Chancen einer vollständigen Heilung bei frühzeitiger Behandlung sehr gut stehen, ist, wenn die Verhaltensmuster erst chronisch geworden sind, selbst eine Linderung schwer.“ Daher sei es wichtig, dass Familie und Freunde auf erste Anzeichen achten.

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