Welt : Noch 13 Menschen vermisst

Nach den Überschwemmungen in Südfrankreich suchen Helfer jedes Haus ab – das Trinkwasser wird knapp

Marseille - Drei Tage nach der Hochwasserkatastrophe in Südfrankreich ist in der Region das Trinkwasser knapp geworden. In und um die Stadt Draguignan im Hinterland der Côte d'Azur war das Wasser verunreinigt und nicht mehr zum Trinken geeignet, wie die Behörden am Donnerstagabend mitteilten. Die Menschen standen für Wasserflaschen an, die streng rationiert wurden. Die Bezirksverwaltung Var beschlagnahmte Tankwagen, um sauberes Wasser in die Region zu bringen. Vor den wenigen Geschäften, die schon wieder offen waren, bildeten sich Warteschlangen.

Nach Angaben der Behörden wurden im Katastrophengebiet noch 13 Menschen vermisst. Unter den 25 geborgenen Toten waren der Präfektur zufolge auch ein zweijähriges Kind – vor allem starben aber alte Menschen.

Das Wasser laufe zwar langsam ab, es seien aber immer noch manche Zonen nicht zugänglich, teilte die Feuerwehr mit. Die Einsatzkräfte müssten nun jedes Haus und jedes Auto durchsuchen, die bei den plötzlich hereinbrechenden Regenmassen am Dienstagnachmittag überschwemmt worden waren. Auch viele Wohnwagen in der Urlaubsgegend, die teils kilometerweit davongeschwemmt worden waren, müssten noch durchsucht werden. Bis dahin bleibe die Zahl der Toten „provisorisch“. Die Hilfsmannschaften suchten dringend Übersetzer, weil sich dort zahlreiche Ausländer niedergelassen haben oder Ferienhäuser besitzen.

Am Freitagmorgen waren noch 1500 Haushalte ohne Strom, rund 15 000 Haushalte hatten keine Telefonverbindung. Frankreichs Premierminister François Fillon trommelte für Freitagnachmittag mehrere Minister zu einer Krisenkonferenz am Regierungssitz Matignon zusammen. Staatschef Nicolas Sarkozy will Anfang kommender Woche in das Katastrophengebiet reisen, er hatte den Hochwasseropfern bereits die Unterstützung der Regierung zugesagt.

Am Dienstag hatten Wolkenbrüche die Gewässer rund um die Stadt Draguignan westlich von Cannes blitzschnell anschwellen lassen. Viele Menschen wurden in ihren Autos und Wohnungen von den Fluten überrascht. Die meisten Opfer ertranken in ihren Fahrzeugen. Innenminister Brice Hortefeux sprach von „einer beispiellosen Katastrophe in der Region“.

Die Zeitung „Le Figaro“ mahnte am Freitag Politik und Verwaltung, die geltenden Regeln und Bestimmungen einzuhalten. „Der Druck der Stadtentwicklung ist stark, doch er darf nicht Freundschaftsdiensten, Wahlkampfinteressen oder touristischen Überlegungen nachgeben“, schrieb das Blatt. AFP/dpa

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