• Noch immer werden Steffi Graf und Andre Agassi von Fotografen auf Schritt und Tritt verfolgt

Welt : Noch immer werden Steffi Graf und Andre Agassi von Fotografen auf Schritt und Tritt verfolgt

Jörg Allmeroth

Der Manager wundert sich über gar nichts mehr. "Im Moment", sagt Hans Engert, der Geschäftsführer der Steffi Graf Sport GmbH, in einem Anflug von Sarkasmus, "wird auch noch der letzte Schrott zu Geld gemacht". Blättert Engert die Presseausschnitte vom Stuttgarter ATP-Turnier durch, sieht er keine Stories über Richard Krajicek, Greg Rusedski oder Gustavo Kuerten, sondern "nur Graf, Graf und nochmal Graf". Kein Zweifel: Die Liebesromanze zwischen der ehemals besten Tennisspielerin der Welt und dem schillernden Superstar aus Las Vegas ist die Mutter aller Geschichten und verdrängt selbst die böse Verletzung des deutschen Topmannes Nicolas Kiefer mühelos aus den Schlagzeilen.

Als Kiefer auf dem Center Court ausrutschte, sich einen Bänderriss zuzog und damit die WM-Teilnahme des Weltranglisten-Siebten in Gefahr geriet, titelte Deutschlands auflagenstärkste Zeitung anderntags mit untrüglichem Instinkt für das Volksinteresse: "Steffi und Andre: Erst bei den Eisbären, dann Liebesspiel in der Schleyer-Halle". Selbst das kleine Städtchen Heppenheim an der Bergstraße bekommt dieser Tage unerwartet sein Stück vom großen Ruhm ab, vom Rummel um das "neue Traumpaar des Tennis": "Steffi kauft Villa Schüssel" melden lokale Blätter aus Südhessen und berichten, die 1906 erbaute Jugendstillvilla liege in einem 4500 Quadratmeter großen Park und stehe unter Denkmalschutz.

Nichts sehnlicher hatte sich Steffi Graf am Ende ihrer 15-jährigen Karriere gewünscht, als der öffentlichen Aufmerksamkeit und dem medialen Interesse zu entfliehen. Gut zwei Monate nach der Heidelberger Pressekonferenz, auf der sie ihre überraschende Demission bekannt gab, ist sie nun am anderen Ende der Wahrnehmungsskala angekommen.

Doch leugnen lässt sich nicht, dass die Pensionärin wie nie zuvor die Fantasie ihrer Mitmenschen beschäftigt. Der Medienprofi Boris Becker, der seit Mitte August liebevoll Anteil am frischen Glück nimmt, weiß gut genug, "dass diese Geschichte das Heißeste ist, was es derzeit auf diesem Planeten gibt".

Zumindest der Rummel um "Prinz Andre und Lady Graf" (Stuttgarter Nachrichten) nimmt Dimensionen an, die hier zu lande nur vergleichbar sind mit den Anfängen des deutschen Tennis-Booms. Auch jetzt kommt es bei der Liaison Graf / Agassi nicht unbedingt auf Eins A-Qualität an. Die "Bunte" druckte am Donnerstag unter der Überschrift "Tennis und Gefühle" auf zwei Seiten verschwommene Graf / Agassi-Bilder einer Münchner Amateurfotografin ab.

Ansonsten gelingt es nur wenigen Paparazzi, den Schutzwall von unzähligen Bodyguards und Sicherheitsleuten zu durchbrechen, die das Turniermanagement angeheuert hat. Nur ein einziger Fotograf war auf der Lauer, als sich das Tennis-Pärchen Anfang der Woche in den Stuttgarter Zoo chauffieren ließ. Erwischen die grimmigen Leibwächter einen Bildjournalisten freilich an unerwünschter oder unerlaubter Stelle, gilt notfalls das heilige Gebot, ausgesprochen von Andre Agassi höchstpersönlich: "Keine Fotos von mir und Steffi." Dann wird der Film aus der Kamera geholt und vernichtet.

Trotz aller Unbill lagern auf dem Parkplatz vor dem Stuttgarter Fünf-Sterne-Palast "Inter Continental" weiter die Paparazzi und träumen vom "goldenen Schuss" - dem Bild der eng umschlungenen Liebenden Graf und Agassi. "Die Szene ist völlig durchgeknallt", sagt ein altgedienter Yellow Press-Knipser, der stundenlang um die Schleyer-Halle streicht. Selbst die zwischenzeitliche Offensive der beiden Stars, die sich auf Bitten von Turnierdirektor Markus Günthardt sogar zu einem Schautraining auf dem Centre Court einfanden, hat die Lage nicht wesentlich entspannt. Drüben in Amerika, sagt auch Steffi Graf selbst, "hält sich die Aufregung sehr in Grenzen".

In den nächsten Monaten wird Deutschland sowieso nur ein flüchtiger Aufenthaltsort für die 22-malige Grand Slam-Siegerin sein, die ab Anfang Dezember für etwa drei Monate auf eine weltweite Abschiedstournee geht. Die ersten drei Schaukämpfe werden am 7., 10. und 12. Dezember in Südafrika stattfinden. Am Ende der interkontinentalen Tournee steht dann vermutlich Mitte März ein Event an ungewöhnlicher Stätte - auf einem US-amerikanischen Flugzeugträger. Steffi Graf als Truppenbetreuerin für die GIs - unmöglich ist dieser Tage wirklich gar nichts.

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