Welt : Noch schmeckt den Deutschen Geflügel

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Berlin - Der wirtschaftliche Schaden, den ein Ausbruch der Vogelgrippe auslösen könnte, ist derzeit noch unabsehbar. Sollte das H5N1-Virus nicht mehr nur bei Wildvögeln, sondern auch im Hausgeflügel in Deutschland auftauchen, hätte das zunächst einmal Auswirkungen auf die Geflügelbranche. Rund 40 Millionen Legehennen gibt es in Deutschland. Zählt man auch Puten, Enten, Gänse und anderes Wirtschaftsgeflügel dazu, kommt man auf 125 Millionen Tiere.

Mehr als die Hälfte davon steht in Ställen in Niedersachsen. Das Landwirtschaftsministerium in Hannover sieht sich aber gut vorbereitet. Die zuständigen Behörden hätten den Ernstfall trainiert, sagt Ministeriumssprecher Gert Hahne. Wenn in Niedersachsen in einem Wildvogel das Virus nachgewiesen werde, dauere es „längstens drei Stunden“, bis die Sperrzone errichtet sei, die man dann weder mit Hühnern noch mit Geflügelprodukten verlassen dürfe. Die niedersächsischen Veterinärbehörden könnten, sollte H5N1 auf einer Geflügelfarm gefunden werden, pro Tag 500 000 Hühner töten, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Der Geflügelkonsum ist in Deutschland, im Gegensatz zu Italien, allerdings noch nicht so stark eingebrochen, seit das Vogelgrippevirus nachgewiesen worden ist. Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft (ZDG) beklagt zwar, dass der Konsum von Geflügelfleisch in den vergangenen Monaten „um zehn bis 15 Prozent“ gesunken sei. Ob das nun an der Vogelgrippe oder am Gammelfleischskandal gelegen oder ganz andere Gründe habe, wisse man nicht, sagt ZDG-Sprecher Dirk Höppner.

Die eigentliche Sorge der Wirtschaft ist jedoch die Gefahr, dass aus der Tierseuche eine Pandemie werden könnte. Sollte das H5N1-Virus sich so verändern, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, würden weltweit hunderttausende Menschen daran sterben. Die Weltbank hat schon im vergangenen November ausgerechnet, dass eine Pandemie rund 800 Milliarden Dollar kosten könnte. Mit anderen Worten, eine Pandemie könnte die Weltwirtschaft zwei Prozent Wachstum kosten.

Da Gesundheitsexperten damit rechnen, dass mindestens ein Viertel der Bürger eines Landes erkranken würde, müssten sich Konzerne darauf einstellen, mit einem Viertel weniger Belegschaft ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Viele Firmen bereiten sich in aller Diskretion auf einen solchen Notfall vor. In Großbritannien gibt es sogar eine Beratungsfirma, die sich genau auf dieses Thema spezialisiert hat, berichtet der Sender BBC. Dabei geht es um Fragen wie diese: „Kann unsere Datenverarbeitung damit fertig werden, wenn alle von zu Hause aus arbeiten wollen?“ Dadurch könnte eine weitere Verbreitung des Virus vermieden werden. In Deutschland haben nur wenige Firmen ihre Belegschaften bereits über Notfallpläne informiert – vermutlich haben die wenigsten bereits solche Pläne ausgearbeitet. Dafür könnte es zu spät sein, wenn die Grippewelle rollt. deh/dpa

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