Nordhessen : Grausiges Verbrechen in dörflicher Idylle

Ab Montag steht ein Landwirt wegen Tötung seiner Eltern und Leichenschändung an einem "Knecht" vor Gericht. Grausige Details kommen ans Tageslicht.

Kassel - Nur eine Kreisstraße führt in das Dorf Haddamar bei Fritzlar in Nordhessen. Die ersten Wegweiser tauchen erst wenige Kilometer vorher auf. Im Ort drängen sich rund um eine kleine steinerne Kirche gepflegte Fachwerkhäuser und Bauernhöfe. Doch die Idylle trügt. Gleich hinter dem westlichen Ortsschild steht ein Gehöft, das in den vergangenen Jahren Schauplatz grausiger Verbrechen gewesen sein soll. Ab Montag befasst sich das Kasseler Landgericht mit dem Fall.

Ein 31 Jahre alter Landwirt aus Haddamar ist angeklagt, seine Eltern aus Heimtücke und Habgier ermordet zu haben. Außerdem soll er einen 73-Jährigen, der für ihn als eine Art Knecht arbeitete, nach dessen Tod vor zwei Jahren eingefroren, dann zerstückelt und schließlich an seine Schweine verfüttert haben. Laut Staatsanwaltschaft wollte er so den Tod des Rentners verheimlichen, um weiter dessen Rente kassieren zu können. Für das Konto des Mannes besaß der junge Landwirt eine Verfügungsbefugnis.

Vorgetäuschte Bestattung Bei der Polizei räumte der 31-Jährige ein, den Leichnam des Rentners "unwürdig behandelt zu haben". Der Mann sei jedoch eines natürlichen Todes gestorben. Zugleich bestritt er den Vorwurf des Mordes an seinen Eltern. In einem Brief an eine Zeitung bezeichnete er entsprechende Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft Anfang Februar als "absurd, falsch und lügnerisch".

Doch an der Glaubwürdigkeit des jungen Mannes sind Zweifel angebracht. So hatte er nicht nur versucht, den Tod des 73-jährigen zu verheimlichen, sondern auch das Entsorgen von dessen Leiche zu kaschieren. Erst als der Bauer das Versteckspiel im Februar 2006 mit einer vorgetäuschten Bestattung beenden wollte, kam ihm die Polizei auf die Spur. Die Beamten schöpften erst jetzt Verdacht, die in den Jahren 2000 und 2004 verstorbenen Eltern könnten, anders als bis dato angenommen, einen nicht-natürlichen Tod gefunden haben.

Exhumierung der Eltern Die Leichen der Eltern wurden deshalb exhumiert. Im Fall der Mutter fanden Gerichtsmediziner innere Verletzungen, die auf ein Erwürgen hindeuteten. Die Staatsanwaltschaft glaubt nun, dass sie von ihrem Sohn im September 2004 im Schlaf getötet wurde. Dieser hatte seinerzeit behauptet, er habe seine bettlägerige, kranke Mutter eines Morgens tot im Bett gefunden.

Beim Vater, der vier Jahre zuvor angeblich von einer Kuh einen tödlichen Tritt erhalten hatte, gestaltete sich die Untersuchung deutlich schwieriger. Inzwischen scheint sich die Staatsanwaltschaft aber sicher, dass der damals 56-jährige von seinem Sohn von hinten mit einem schweren Gegenstand erschlagen wurde.

Als Motiv vermutet die Anklagebehörde das Erbe. Der Vater hatte ihn im Testament als Alleinerben eingesetzt, allerdings die Mutter und einen Bruder mit Zuwendungen bedacht. Besonders das seiner Mutter vermachte Einsitzrecht auf dem landwirtschaftlichen Anwesen soll den 31-Jährigen gestört haben. Deswegen tötete er laut Staatsanwaltschaft auch die damals 55-Jährige. Für den Prozess am Kasseler Landgericht sind zunächst 18 Verhandlungstermine bis Mitte Juni angesetzt. (Von Guido Heisner, ddp)

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