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Nordrhein-Westfalen : Fünf Schwerverletzte bei illegalem Autorennen in Hagen

Zwei Autos sind in Hagen um die Wette gerast, am Ende wurden auch wieder Unbeteiligte verletzt. Ein kleiner Junge schwebt noch in Lebensgefahr.

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen sind fünf Wageninsassen schwer verletzt worden, darunter ein kleiner Junge.
Bei einem illegalen Autorennen in Hagen sind fünf Wageninsassen schwer verletzt worden, darunter ein kleiner Junge.Foto: dpa/Alex Talash

Am Morgen danach erinnern nur einige weiße und gelbe Markierungen auf der Fahrbahn an den von zwei Rasern verursachten Unfall. Auf der Kreuzung in der Nähe der Fernuniversität Hagen hatte ein illegales Autorennen zwischen zwei Männern am Donnerstagabend ein folgenschweres Ende genommen. Ein sechsjähriger Junge kämpft in einer Klinik um sein Leben. Seine elf Jahre alte Schwester und seine Mutter liegen schwer verletzt im Krankenhaus. Ein weiterer Autofahrer und einer der beiden mutmaßlichen Raser wurden ebenfalls schwer verletzt.

„Verkehrsunfälle passieren nicht, sie werden verursacht“, sagt der Leiter der Verkehrsdirektion der Hagener Polizei, Michael Hoffmann, als er am Freitag die fatalen Abläufe schildert. Begonnen hatte die Kraftprobe der zwei Männer gegen 21.00 Uhr - fast vor den Türen des Polizei. Ein 46 Jahre alte Fahrer und ein 33-jähriger stehen an der Ampel, an der man zum Polizeipräsidium abbiegt. Die beiden Männer müssen das Beschleunigungsrennen wohl spontan ausgemacht haben, vermutet die Polizei. Ob sie sich gekannt haben, ist noch nicht geklärt.

Als die Ampel auf Grün springt, rasen die Männer geradeaus los. Tempo 50 ist auf der vierspurigen Straße erlaubt - fast doppelt so schnell müssen die beiden Wagen unterwegs gewesen sein, schätzt die Polizei nach ersten Ermittlungen. Die beiden seien jedenfalls „deutlich verkehrswidrig unterwegs“ gewesen, sagt Hoffmann. Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli nennt die Beweissituation „relativ günstig“. Neben technischen Daten gebe es auch Zeugenaussagen.

Die Unfallstelle - ein Trümmerfeld


Nach etwa 600 Metern beginnt hinter einer leichten Rechtskurve eine fatale Kettenreaktion. Eine 76-Jährige kommt mit ihrem Kleinwagen vom Parkstreifen am Rande der Straße, die beiden mutmaßlichen Raser versuchen auszuweichen, der 46-Jährige verliert die Kontrolle über seinen Wagen und kollidiert auf der Gegenfahrbahn mit dem Auto der 37-jährigen Mutter. Sie und ihre beiden Kinder werden schwer verletzt. Ihr Wagen prallt gegen das Auto eines 30-Jährigen, das auf die Seite kippt. Dieser Fahrer wird ebenfalls schwer verletzt.

Ines Thomas feiert zu dem Zeitpunkt auf der Terrasse eines Restaurants an der Unfallstelle mit Freunden ihren Geburtstag. Ein schrecklicher Knall sei das gewesen, sie habe erst gar nicht hinsehen können, erzählt die junge Frau. Ein Kellner sei heruntergelaufen und habe einen Mann aus seinem Auto geholt. Zum Glück sei ein Rot-Kreuz-Fahrzeug zufällig vorbeigekommen, sodass schnell erste Hilfe geleistet wurde. Der 33-jährige Unfallfahrer hatte sich da schon aus dem Staub gemacht, später stellte er sich in Begleitung eines Anwalts bei der Polizei.

Hoffmann beschreibt die Unfallstelle später als Trümmerfeld. „Unfassbare Kräfte“ hätten auf die Autos gewirkt. Es werde noch einige Zeit dauern, alles zu entwirren. Geklärt werden müsse, wer mit welchen Schuldanteilen beteiligt war. Als „Raserstrecke“ sei die Feithstraße nicht bekannt, versichert er. „Wenn ich davon wüsste, würde ich das unterbinden.“ Auf der Straße gebe es häufig Geschwindigkeitskontrollen. Überrascht ist Hagens oberster Verkehrspolizist vom Alter der Raser - 46 und 33 Jahre. Auch ihre Autos seien für solche Rennen „sehr ungewöhnlich“ - um besonders PS-starke Fahrzeuge handele es sich nicht.


Immer wieder illegale Straßenrennen


Illegale Autorennen liefern sich meist jüngere Männer. Mehrheitlich sind die Raser zwischen 18 und 27 Jahre alt, wie die Kölner Verkehrspsychologin Daniela Rechberger der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Es kommt aber auch immer mal wieder vor, dass sich ältere Männer Rennen liefern.“ Es gehe ihnen häufig darum, mangelndes Selbstvertrauen auszugleichen und zu zeigen, „dass man der Tollere, der Stärkere, der Bessere ist“.

Die Gedanken von Polizist Hoffman sind bei dem lebensgefährlich verletzten Sechsjährigen. Momentan sei seine Lage stabil. „Wir wünschen uns sehr, dass es gut ausgeht.“

Immer wieder liefern sich Autofahrer illegale und gefährliche Rennen auf der Straße. Wie viele es gibt, ist für die Behörden schwer zu beziffern. Die oft schwerwiegenden Folgen dieser Raserei standen erst kürzlich bei einem Prozess in Köln im Mittelpunkt: Eine 19 Jahre alte Radfahrerin war bei einem solchen Kräftemessen getötet worden, weil einer der Autofahrer die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Der 23-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Staatsanwalt hat Revision eingelegt, um ihn hinter Gitter zu bringen. In Berlin kam im Februar ein unbeteiligter 69-Jähriger bei einem illegalen Autorennen ums Leben.
(dpa)

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