Not nach Wirbelsturm : Haiti droht nach Hurrikan "Sandy" schwere Krise

Langsam fließt das Wasser aus den Überschwemmungsgebieten in Haiti ab. Die immensen Schäden werden sichtbar. Mit Notstandsmaßnahmen versucht die Regierung, das Schlimmste zu verhindern: Hunger und Cholera.

Die Bewohner einer Zeltstadt bei Port-au-Prince waren den Wirbelsturm vollkommen ausgeliefert.
Die Bewohner einer Zeltstadt bei Port-au-Prince waren den Wirbelsturm vollkommen ausgeliefert.Foto: AFP

Angesichts der schweren Zerstörungen durch Hurrikan „Sandy“ will die haitianische Regierung mit Notstandsmaßnahmen eine drohende Krise bekämpfen. Nach Angaben des Kommunikationsministers Ady Jean Gardy wird das ärmste Land Amerikas vom Hunger bedroht, nachdem die Regenfälle des Wirbelsturmes in weiten Teilen des Landes die Ernten zerstört haben.
Hilfsorganisationen sind alarmiert.

Die Zeitung „Le Nouvelliste“ berichtete in ihrer Online-Ausgabe, nach vorläufigen Schätzungen des nationalen Koordinationsbüros für Lebensmittelsicherheit (CSNA) sei ein Schaden von über 104 Millionen Dollar entstanden. Der Ausnahmezustand erlaube es der Regierung, Notstandsmaßnahmen zu ergreifen, um den Menschen zu helfen und dem drohenden Hunger zu begegnen, sagte Gardy dem Blatt zufolge.

Mindestens 60 Menschen kamen ums Leben und Tausende wurden obdachlos, seit die Ausläufer des Sturmes vor zwei Wochen Haiti trafen.

Die US-Ostküste nach Supersturm "Sandy"
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03.11.2012 21:49Nach Hurrikan "Sandy" kommt die Kälte. Sturmopfer versorgen sich in einem Hilfscenter mit dem Nötigsten.

Nach Angaben von Astrid Nissen, der Repräsentantin des Deutschen Roten Kreuzes in Haiti, ist vor allem der Südwesten des Landes betroffen. Dort habe bereits im Frühjahr eine Trockenzeit die erste Ernte vernichtet. „Jetzt ist diese Region zum zweiten Mal betroffen“, sagte sie in einem Telefonat aus Haiti. „Es ist zu befürchten, dass eine kritische Situation und Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln entstehen könnte.“ Von einer Hungersnot zu sprechen, sei aber übertrieben.

In Haiti war zuletzt im Januar 2010 der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Damals hatte ein schweres Erdbeben die Hauptstadtregion und weite Teile des Südens zerstört und über 220 000 Menschen den Tod gebracht. Trotz umfassender internationaler Hilfe leidet das Land noch immer unter den Folgen der Katastrophe, ebenso wie unter der Cholera, die im Oktober desselben Jahres ausbrach und an der seitdem über 7600 Menschen gestorben sind.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen hat die Zahl der Infizierten in den Tagen nach dem Sturm wegen der Überschwemmungen wieder zugenommen. „Schon seit Anfang Oktober gab es wegen des Regens mehr Fälle“, berichtet Claudia Evers von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Haiti. „Aber seit «Sandy« hatten wir eine Zunahmen von 500 auf 800 Patienten in unseren fünf Behandlungszentren.“ Es sei alarmierend, dass Haiti selbst nicht über Zentren zur Cholerabehandlung verfüge und sich ganz auf die internationalen Organisationen verlasse. „Das haitianische Gesundheitssystem steht auf wackeligen Beinen“, sagte sie. (dpa)

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