Welt : Notiert: Chronik eines "Jahrhundertsturms"

sos

Freitagabend: US-Nachrichtensender warnen vor einem "Monstersturm": zwei gewaltige Sturmtiefs bewegen sich aufeinander zu, um am Sonnabendabend über New York zusammenzuprallen. Es drohen "Schneefälle, wie es sie seit 50 Jahren nicht mehr gegeben hat." Ein anderer Meteorologe: "Es wird gefährlich sein, auf die Straße zu gehen". Für Montag wird die Schule abgesagt, ebenso die Arbeit in vielen Büros. Hunderte Flüge werden vorsorglich gestrichen. Sonnabendmorgen: Die New Yorker schwärmen aus zu Hamsterkäufen: Regale mit Streusalz, Wasserkanistern, Scheeschaufeln, Dosengerichten und Tiefkühlkost, Katzenfutter, Bibeln, Taschenlampen und Handys sind leer. Sonnabendabend: Die estaurants und Kinos in New York sind leer. New York erwartet bessere Unterhaltung im TV: Wo bleibt der Schnee? Sonntagmorgen: Immer noch kein Niederschlag. Der Sturm bewege sich langsamer als erwartet, heißt es. Sonntagnachmittag: Erste vereinzelte Schneeflocken. Letzte Skeptiker, die die ysterie belächelt hatten, gehen jetzt hektisch einkaufen, doch viele Regale sind leer. Sonntagabend: Der leichte Schneefall hört auf. Montagmorgen: Leichter Regen. Montagnachmittag: Leichter Schneeregen. Der Verkehr auf den Autobahnen kommt ins Stocken, nicht wegen des Wetters, sondern weil wegen der Sturmwarnung den LKWs die Weiterfahrt verboten wurde. New York ist wie ausgestorben. Die Geschäfte sind leer. Die U-Bahn ist leer. Montagabend: Wo bleibt der Schneesturm? In den Nachrichten Interviews mit enttäuschten New Yorkern. Beschämte Meteorologen. Einer macht aus dem Geschehen eine Sensation: In 25 Jahren habe er noch nicht erlebt, dass ein Sturm sich rückwarts bewege. So wie dieser, der nun - jetzt aber wirklich bestimmt - am Dienstag zuschlagen werde. Dienstagmorgen: Leichter Schneefall. Der Hausmeister weiht seine neue Schneeschaufel ein und befreit den Hof von einem halben Zentimeter Schneeflocken.

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