Notlandung in Prag : Ehestreit löste Entführungsalarm aus

Eine russische Aeroflot-Maschine ist am Morgen auf dem Prager Flughafen notgelandet. Was zunächst für eine Flugzeugentführung gehalten wurde, entpuppte sich später als handfester Familienkrach.

Warschau/Prag/Moskau - Nachdem der Pilot der mit knapp 170 Passagieren besetzten Aeroflot-Maschine wegen einer Notlage an Bord um die Erlaubnis zur Notlandung auf dem Flughafen in Prag gebeten hatte, war die tschechische Polizei zunächst von einer Entführung ausgegangen, sagte Polizeipräsident Vladislav Husak. Der Airbus war auf dem Weg von Moskau nach Genf. Auf dem Prager Flughafen trat ein Krisenstab zusammen, Rettungsteams und Feuerwehr eilten nach der Notlandung um 10.42 Uhr auf das Flugfeld.

Als tschechische Polizisten die angeblich entführte Maschine betraten, herrschte dort allerdings schon wieder Normalität: Passagiere hatten den randalierenden Mann überwältigt und übergaben ihn den Beamten, die ihn am Nachmittag noch verhörten. Berichten tschechischer Medien zufolge war der Streit des Mannes mit seiner Frau so eskaliert, dass die Besatzung des Flugzeuges es aus Sicherheitsgründen für besser hielt, den Flug in Prag zu unterbrechen.

Verletzt wurde jedoch niemand. Auch der Flugverkehr auf dem Prager Flughafen wurde durch den Zwischenfall nicht beeinträchtigt. Ehe die Maschine ihren Flug nach Genf fortsetzen kann, soll das Flugzeug noch einmal auf eventuelle Schäden überprüft werden. Nach Auskunft eines Genfer Flughafensprechers sind die Mehrheit der Passagiere russische Touristen, die ihre Ferien in den Schweizer Alpen verbringen wollen. Auch der Randalierer war Angaben zufolge mit seiner Familie auf dem Weg in die Schweiz.

Eine Aeroflotsprecherin berichtete, der Mann habe gedroht, das Flugzeug zu beschädigen und eine Kursänderung verlangt. Der russische Botschafter in Prag, Alexander Pismenny sagte, die Maschine sei wegen eines betrunkenen Randalierers notgelandet und werde ihren Flug noch am Donnerstag fortsetzen. (tso/dpa/AFP)

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