NS-Verbrechen : Massengrab beschäftigt Staatsanwaltschaft

Nach der Entdeckung eines Massengrabes mit Kinderskeletten im Sauerland geht die Staatsanwaltschaft möglichen Verbindungen zu Gräueltaten der Nazis nach.

Dortmund/Arnsberg - Bei knapp der Hälfte der bislang auf einem katholischen Friedhof in Menden-Barge gefundenen 50 Skelette handele es sich um die sterblichen Überreste von Kindern, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß von Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Verbrechen. Durch die Nachforschungen solle geklärt werden, ob die Gebeine von Euthanasie-Opfern stammten.

Hintergrund sind nach Angaben der Bezirksregierung Arnsberg konkrete Hinweise unter anderem von Zeitzeugen, wonach während des NS-Regimes Tote aus einem so genannten "Ausweichkrankenhaus" der Nazis im benachbarten Wickede-Wimbern auf dem Friedhof von Barge verscharrt wurden. Bei den daraufhin eingeleiteten Grabungen waren zunächst die offenbar übereinander geworfenen Leichen von 20 Kindern und zwei Erwachsenen entdeckt worden; in einem zweiten Gräberfeld wurden weitere Skelette entdeckt. Die Grabungen in diesem Bereich sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden; möglicherweise wurden in diesem Bereich rund 200 Tote verscharrt.

Leichen aus Euthanasie-Programm?

Einem Sprecher der Bezirksregierung zufolge ergaben Untersuchungen der 20 Skelette, dass es sich offenbar um die sterblichen Überreste von behinderten Kindern handelt. Entsprechende Analysen von Gerichtmedizinern der Universität Düsseldorf würden jedoch voraussichtlich noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. In dem "Ausweichkrankenhaus" im wenige Kilometern entfernten Wimbern sollen in der NS-Zeit junge Behinderte untergebracht gewesen sein. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass das Krankenhaus vom Berliner Leibarzt Adolf Hitlers "gesteuert" wurde.

Nach Abschluss der Untersuchungen soll derweil in Barge nach Angaben des Gemeindechronisten Theo Ostermann eine Gedenkfeier stattfinden, bei der die Gebeine der Toten "feierlich wieder beigesetzt" werden sollen. Sicherlich werde "der Sache künftig auf dem Friedhof angemessen gedacht", sagte Ostermann der WDR-Onlineredaktion. "Und die Toten werden hoffentlich nie mehr ganz aus dem Gedächtnis des Dorfes verschwinden." Der 61-Jährige fügte hinzu, die Entdeckung des Massengrabes biete "die Chance, unseren Jugendlichen zu vergegenwärtigen, was die Nazis angerichtet haben". "Das ist viel greifbarer als theoretische Geschichte in Schulbüchern und hilft vielleicht auch, Jugendliche von radikalen Parteien fernzuhalten." (tso/AFP)

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