Nüchtern : Erste Nacht des Alkoholverbots im Nürnberger Hauptbahnhof

Normale Biertrinker wurden nicht behelligt. Nur das Partyvolk vor dem Club, der sich im Bahnhof befindet, wurde beobachtet.

Die normalen Trinker machen einfach weiter.
Die normalen Trinker machen einfach weiter.Foto: dpa

Nürnberg - Eigentlich darf um diese Zeit keiner mehr Alkohol trinken. Die große Uhr des Nürnberger Hauptbahnhofs zeigt kurz nach 22 Uhr. In der Haupthalle liefert sich ein älterer Mann ein heftiges Wortgefecht mit einer Bekannten. Immer wieder nimmt er einen Schluck aus einer Bierdose. Es ist eine Szene, die es nach Vorstellung der Deutschen Bahn eigentlich nicht mehr geben darf. Seit zwei Stunden gilt das erste Alkoholverbot an einem deutschen Bahnhof. An allen Eingängen des Gebäudes weisen große Hinweisschilder auf die neue Hausordnung hin. Freitags, samstags sowie direkt vor Feiertagen darf am Nürnberger Hauptbahnhof von 20 Uhr bis zum Folgetag um 6 Uhr kein Alkohol getrunken werden. Wer dagegen verstößt, kann vom Bahnhofsgelände verwiesen werden.

Die Praxis sieht am ersten Abend anders aus. Der Mann mit der Bierdose kann unbehelligt weitertrinken. Zwei Bundespolizisten, die an ihm vorbeilaufen, reagieren nicht. Und auch weiter im Inneren des Bahnhofs passiert nichts, als zwei Männer zur Bierflasche greifen. „Es handelt sich um ein Hausrecht der Deutschen Bahn, die Bundespolizei ist für deren Einhaltung nicht direkt zuständig“, sagt der Sprecher der Bundespolizeidirektion München, Klaus Papenfuß.

„Wir greifen erst ein, wenn sich jemand weigert, ein Hausverbot anzuerkennen oder wenn es im Bahnhof zum Beispiel zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt.“ Zuständig sei zunächst der Sicherheitsdienst der Bahn. Die bahneigenen Kontrolleure beharren zumindest bei der Premiere noch nicht überall auf der Einhaltung der geänderten Hausordnung – obwohl Bahnsprecher Anton Knapp zufolge die Zahl der Streifen zum Start des Alkoholverbots leicht erhöht wurde. An dem streitenden Biertrinker laufen zwei Männer des Sicherheitsdienstes einfach vorbei. Ganz anders ist die Lage vor einem Party-Club im Bahnhof.

Hier haben sich DB-Sicherheitskräfte auf einer Empore positioniert und überblicken den Eingangsbereich des bei Partygängern beliebten Treffpunkts. Genau dort soll es laut DB immer wieder zu Trinkgelagen gekommen sein. Direkt vor den Augen der Aufpasser der Deutschen Bahn traut sich aber keiner, Alkohol zu trinken. Ein junger Mann nennt dafür einen ganz einfachen Grund: „Ich freue mich auf die Party, ich will nicht rausfliegen“, sagt der 19-Jährige. Das Verbot finde er „völlig bescheuert“, vom Alkoholkonsum halte ihn das aber nicht ab. Seine Kumpels und er würden sich dann eben woanders zum „Vorglühen“ treffen, sagt er. Bei den Reisenden herrscht geteilte Meinung über das Alkoholverbot. Immer wieder bleiben Fahrgäste vor den Hinweisschildern stehen.

Einige schütteln den Kopf, andere nicken zustimmend. „Ich denke, das Problem wird nur verlagert“, sagt eine 61-jährige Nürnbergerin. Sie befürchtet, „dass die Betrunkenen künftig verstärkt in der Nürnberger Altstadt herumlungern.“

Am Nürnberger Hauptbahnhof bleibt alles friedlich. Für die Bahn war das erste Wochenende mit dem Alkoholverbot einem Sprecher zufolge „zufriedenstellend“. Mehrere Personen, die vor dem Servicepoint Alkohol tranken, seien vom Sicherheitsdienst angesprochen worden. „Die Partygänger haben darauf mit Verständnis reagiert“, sagte er.

(dapd)

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