Nürnberg : Mutter ersticht Tochter: Zwölf Jahre Gefängnis

Wegen eines fatalen Missverständnisses ersticht eine Mutter ihre schlafende Tochter mit einer 22 Zentimeter langen Klinge. Danach versucht sie vergeblich, sich selber umzubringen. Jetzt muss die 43-Jährige zwölf Jahre hinter Gitter.

NürnbergWegen Mordes an ihrer 15-Jährigen Tochter verurteilte das Landgericht Nürnberg-Fürth eine 43-Jährige zu zwölf Jahren Haft. Die Nürnbergerin hatte im August 2007 ihre schlafende Tochter mit einem 22 Zentimeter langen Küchenmesser in die Brust gestochen und dadurch getötet. Danach hatte die an Depressionen leidende Frau versucht, sich selber umzubringen, was ihr aber nicht geglückt war. Auslöser für die Tat war ein fatales Missverständnis: Die Angeklagte hatte ein Behördenschreiben falsch verstanden und gedacht, ihr werde das Arbeitslosengeld II gestrichen. Tatsächlich sollte sie aber eine größere Nachzahlung bekommen.

Das Gericht ging mit dem Urteil über das vom Anklagevertreter geforderte Maß von acht Jahren hinaus. In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter, die Angeklagte habe ihrer Tochter das Lebensrecht abgesprochen und sich als Herrscherin über Leben und Tod aufgespielt. Die Angeklagte habe den Schlaf des Mädchens bewusst ausgenutzt und damit heimtückisch gehandelt. Strafmildernd sei die wegen der Depression verminderte Steuerungsfähigkeit der Angeklagten sowie deren Geständnis. Trotzdem dürfe bei allem Verständnis für die schwierige Lage der Frau nicht vergessen werden, dass nicht die Mutter, sondern die 15-Jährige das Opfer sei, betonte das Gericht.

Richter: Ermordung aus Egoismus und Eigensucht

Der Kammervorsitzende warf der Mutter Egoismus und Eigensucht bei der Ermordung ihrer Tochter vor. "Sie haben ihre Tochter, die leben wollte, mit in den Tod nehmen wollten, weil sie selbst nicht mehr leben wollten", sagte der Richter. Selbst in den Briefen, die die Angeklagte während der Untersuchungshaft an ihre tote Tochter richtete, habe sich alles nur um sie selbst gedreht. So habe sie darin ihrer Tochter die Aufgabe zugedacht, ihr im Himmel trotz ihrer Bluttat einen gnädigen Empfang zu bereiten. "In Ihren Briefen wimmelt es nur so von "Ichs" und "Michs", so der Richter. (kda/dpa/ddp)


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