Nürnberger Zoo : Auf den Zahn gefühlt

Die ersten Zähne sind mit Schmerzen verbunden - nicht nur bei Kleinkindern. Auch die kleine Nürnberger Eisbärin wird ein wenig quengelig.

Eisbärbaby
Wohlbehütet ist das Eisbärenbaby in den Händen ihrer Pfleger. -Foto: dpa

Nürnberg/Berlin - Das Nürnberger Eisbärenbaby bekommt die ersten Zähne. „Es hat am Samstag ein bisschen schlechter getrunken, so dass wir die Zahnreihe streicheln mussten“, sagte Nürnbergs Tiergarten-Direktor Dag Encke am Sonntag. Der Tierarzt sehe bisher aber keinen Grund zur Beunruhigung. „Das ist wie bei Menschenkindern: Das Baby wird ein bisschen quengelig, es trinkt schlechter, und die Verdauung funktioniert nicht so gut“, sagte Encke.

Inzwischen hat das knapp fünf Wochen alte Jungtier auf 2400 Gramm Körpergewicht zugelegt. Es werde alle vier Stunden mit einem Fläschchen versorgt. Bei großem Appetit habe es dabei schon 140 Milliliter Kunstmilch auf einmal verputzt, sagte Encke. Durch ein leichtes Blinzeln deute sich auch an, dass das Weibchen langsam die Augen öffnet.

Bei der Beköstigung der kleinen Eisbärin soll auch eine Spezialnahrung aus Berlin helfen, die schon Eisbär Knut schlabberte. Tierarzt André Schüle vom Berliner Zoo bestätigte nach Medienberichten, dass er den Nürnberger Tierpflegern Maissirup geschickt habe. Diese Flüssigkeit werde bei der Handaufzucht der Hundewelpenmilch beigemischt. Sie verhindert nach Erfahrungen aus den USA, dass die Milch verklumpt und eine Darmverstopfung hervorrufen kann. Dies könnte für ein Eisbärenbaby tödlich werden.

Das große Interesse am Nürnberger Eisbärenbaby ist nach Ansicht des Bamberger Psychologen Prof. Dietrich Dörner auf natürliche Beschützerinstinkte des Menschen zurückzuführen. „Kleine Kinder und kleine Tiere fallen in das sogenannte Kindchenschema. Das weckt automatisch den Beschützerinstinkt, der in jedem von uns eingebaut ist.“ Diese Hilfsbereitschaft sei „Teil der biologischen Grundausstattung des Menschen.“ Der Mensch reagiere auf Merkmale wie die rundlichen Formen, den hilflosen Blick und die tapsigen Bewegungen von Eisbärenbabys. Diese Merkmale signalisierten Unbeholfenheit, „die uns unbewusst zum Handeln auffordert“. Für das Eisbärenjunge sind in Nürnberg bis Sonntag bereits 14 800 Namensvorschläge eingegangen. ddp/dpa

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