Welt : Nur 111 Insulaner überlebten

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Die Osterinsel ist nicht nur für Wissenschaftler ein Faszinosum. Die meisten Fragen kreisen nach wie vor um die Moais, aber in letzter Zeit konzentrieren sich Archäologen und Ethnologen immer mehr auf die Schriftzeichen, die auf der Insel gefunden worden sind. Anders als alle anderen polynesischen Völker (die Vorfahren der Rapa Nui stammen vermutlich von den Marquesas in FranzösischPolynesien), hatten die Osterinsulaner eine Schrift entwickelt, die sie Rongorongo nannten. Bis heute kann sie keiner schlüssig entziffern. Es gibt sogar Ethnologen, wie der deutsche Forscher Horst Kain, die bezweifeln, dass es sich dabei um eine Schrift im eigentlichen Sinne handelt.

Auch die Rapa Nui können die Schrift nicht lesen. Denn ihre Vorfahren durchlitten drei Jahrhunderte lang Krieg, Seuchen und Völkermord. Die Kriege unter den Osterinsulanern tobten im 17. Jahrhundert vermutlich, weil die Insel mit 30000 Menschen völlig überbevölkert war. Hunger brach aus, weil der Boden nicht alle Menschen ernähren konnte. Neue Theorien gehen davon aus, dass eine Dürre die Situation verschärfte und die Menschen in die Verzweiflung trieb. Schließlich brachen sie mit ihrem Ahnen- und Götterkult und stürzten die Moai um. Krankheiten europäischer Seefahrer dezimierten die Bevölkerung zusätzlich. Die chilenischen Eroberer versklavten oder töteten Ende des 19. Jahrhunderts fast alle verbliebenen Rapa Nui. Nur 111 überlebten. Alle heutigen Bewohner sind Nachkommen dieser Gruppe. Sie haben nicht nur verlernt, was die Schrift bedeutet. Sie haben die Wurzeln ihrer Kultur verloren. oew

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