• Nur Angeschnallte überlebten Absacken der Maschine - sechs Todesopfer, darunter der griechische Vize-Außenminister

Welt : Nur Angeschnallte überlebten Absacken der Maschine - sechs Todesopfer, darunter der griechische Vize-Außenminister

Gerd Höhler

Ein dreistrahliger Jet, der den griechischen Vize-Außenminister Jannos Kranidiotis und seine Delegation am Dienstag abend von Athen nach Bukarest bringen sollte, ist im rumänischen Luftraum aus noch ungeklärten Gründen in einen Sturzflug geraten. Die überwiegend nicht angeschnallten Passagiere wurden gegen die Kabinendecke geschleudert. Vize-Minister Kranidiotis, sein 25-jähriger Sohn und vier weitere Insassen wurden getötet, unter ihnen zwei Journalisten, die Kranidiotis begleiteten. Er wollte in Bukarest am Mittwoch an einem Ministertreffen der Balkanstaaten teilnehmen.

Im Anflug auf Bukarest meldete der Pilot des griechischen Regierungsflugzeugs, eines dreistrahligen Jets des französischen Typs Dassault Falcon, einen Notfall und forderte Ärzte und Krankenwagen an. Als sich nach der Landung die Tür des Flugzeugs öffnete, bot sich den Sanitätern ein grauenvolles Bild: blutüberströmt lagen mehrere Passagiere im Gang der Kabine oder in ihren Sitzen. Für Vize-Minister Kranidiotis und fünf weitere Passagiere kam jede Hilfe zu spät. Drei Menschen wurden mit teils schweren Verletzungen in ein Bukarester Krankenhaus gebracht. Vier Insassen der Maschine, die angeschnallt waren, überlebten den Sturzflug unverletzt. Unter ihnen sind die beiden Piloten.

Der 51-jährige Jannos Kranidiotis, ein gebürtiger Zyprer, war seit Anfang der 80er Jahre in der griechischen Außenpolitik aktiv. Als Vize-Außenminister kümmerte er sich seit 1997 vor allem um das Zypernproblem und die Beziehungen Griechenlands zur EU.

Über die Ursache des Unglücks gab es am Mittwoch nur Spekulationen. Nach Aussage eines mitreisenden Reporters stand Kranidiotis im Gang der Kabine und unterhielt sich mit den Journalisten, als das Flugzeug plötzlich in einen steilen Sturzflug ging. Niemand konnte sich auf den Beinen halten. Mit lautem Krachen wurden die Körper während des mehrere Minuten dauernden Sturzfluges immer wieder gegen die Kabinendecke geschleudert. Handgepäckstücke, Mobiltelefone und Essenstabletts schossen durch die Kabine. Außerdem soll ein offenbar ungenügend gesicherter Essenscontainer in Bewegung geraten sein und ein Loch in die Kabinenwand geschlagen haben. Nur wer angeschnallt war, konnte sich auf seinem Sitz halten.

Spekulationen in den griechischen Medien zufolge könnte die Maschine durch ein technisches Versagen des Höhenruders in den Sturzflug geraten sein. In anderen Presseberichten heißt es, der Jet sei womöglich in schwere Turbulenzen geraten.

Fest steht bisher nur, dass die Maschine binnen weniger Minuten von 7600 Metern Flughöhe auf 1600 Meter in die Tiefe stürzte. Aufschlüsse über den Hergang erwartet man von der Auswertung der Flugschreiber und den Aussagen der beiden Piloten. Sie werden seit Mittwoch vormittag in Bukarest von einer griechisch-rumänischen Untersuchungskommission vernommen. Der Regierungsjet wurde bereits in der Vergangenheit von technischen Problemen geplagt. Die Maschine gehört der griechischen Luftwaffe, wird aber von der staatlichen Fluggesellschaft Olympic Airways gewartet und geflogen.

Ministerpräsident Kostas Simitis ordnete an, in die Unfalluntersuchung auch unabhängige ausländische Experten einzuschalten. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Die Leichen der sechs Opfer wurden am Mittwoch nachmittag nach Athen überführt.

Flugzeugunfälle durch Turbulenzen gibt es immer wieder. Im Dezember 1997 war ein US-Jumbo-Jet über dem Nordpazifik abgesackt. Dabei war eine Japanerin ums Leben gekommen und 102 der 393 Passagiere verletzt worden.

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