Welt : Nur für Promis

NAME

Von Peter Dinkloh

Ein Schild am Ortseingang des Prominenten-Ortes Malibu preist den Küstenabschnitt als „27 Miles of Scenic Beauty“ an. Den Besucher erwarten über 40 Kilometer Pazifik-Strand in einer der schönsten Landschaften Kaliforniens. Doch die Sache habe einen Haken, meint Steve Hoye von der Bürgerinitiative „Access for All“ (Zugang für alle): „Es gibt lange herrliche Strände, aber man kommt nicht an sie ran.“

Hoye gibt den berühmten Anwohnern und der Stadt Malibu die Schuld. Stars wie Tom Hanks, Steven Spielberg, Cher, Dustin Hoffman und Barbara Streisand haben den Küstenstreifen mit ihren Millionen-Villen längst in Beschlag genommen. Auch Showmaster Thomas Gottschalk wohnt dort. Um sich vor neugierigen Blicken zu schützen, verstecken die Prominenten ihre Villen hinter Mauern und Zäunen, die dann auch den Weg zum Strand versperren. Entlang des wunderschönen „Pacific Coast Highway“ mit seinen dramatischen Ausblicken auf den Pazifik, den felsigen Kliffs und blühenden Wildblumen im Frühling ist das Meer oft unerreichbar. An einer Stelle machen die Anwohner den Strand auf fünf Kilometern unzugänglich .

„Egal wie reich und berühmt sie auch sein mögen, der Strand gehört jedermann“, wettert deshalb Hoye. Rückendeckung erhält der Kalifornier dabei von der staatlichen Küstenkommission, die nach kalifornischem Gesetz alle 300 Meter einen öffentlichen Zugang zum Meer betreiben darf. In Strandorten wie Santa Barbara und Laguna Beach kommen die Besucher über schmale Wege und Treppen ganz leicht ans Ziel. Nicht so in Malibu, wo die Stadtväter sich nach den Wünschen ihrer prominenten Einwohner richten und die Exklusivität bewahren wollen, wie Hoye meint.

Die Pfade zwischen den Hollywood-Villen existieren also nur auf dem Papier. So sollte ein Weg direkt neben dem Wohnzimmer von Schauspieler Ryan O’Neal verlaufen, ein anderer neben der Villa des Studiobosses David Geffen. Der wehrt sich mit allen Kräften gegen den Ausbau eines Weges mit dem Argument, dass sich darüber nicht nur Touristen, sondern auch unerwünschte Eindringlinge auf seinem Grundstück einschleichen könnten. Linda Locklin, Vorsitzende der Küstenkommission, hält die Ängste für übertrieben. Die Promis wollten nur unter sich bleiben und den Strand nicht mit anderen teilen, glaubt die Staatsdienerin.

Mehrere Sitzungen mit Geffens Anwälten hätten noch keine Lösung gebracht, beklagt sich Hoye. Er droht damit, noch in diesem Sommer einfach mit den Ausbauarbeiten zu beginnen. „Die Leute wussten beim Bau ihrer Häuser genau Bescheid, dass der Strand nicht zu ihrem Privatgrundstück gehört“, meint der Aktivist. Der Strand sei für alle da, ob reich oder arm. Dank großzügiger Spenden ist es einigen Prominenten bereits gelungen, geplante Wege an anderer Stelle zu verlegen. Die Sängerin Julie Andrews soll sich 1991 mit einem Scheck im Wert von umgerechnet 360 000 Euro „freigekauft“ haben. Mit dem Geld sollte der Staat anderswo eine Treppe zum Strand bauen, was jedoch nie ausgeführt wurde.

Die luxuriöse Malibu-Kolonie, eine eingezäunte Villensiedlung, wo Tom Hanks, Pamela Anderson und Sting logieren, hält Strandbesucher durch ein großes Gitter vom Betreten des „Privatstrandes“ ab. Bei Ebbe kann man bequem um den Zaun herumspazieren und sich in das Strandparadies der Stars einschleichen. Die Verbotsschilder seien nur zur Abschreckung angebracht, meint Linda Locklin.

Es gibt noch einige andere versteckte Wege zum Meer, die jedem offen stehen. Der bekannteste davon ist der „Zonker Harris Accessway“, so benannt nach einer Comicfigur, die verrückt danach ist, sich zu sonnen. Wichtig für den Strandspaziergang ist allerdings zu wissen, dass nur der Teil des Strandes Allgemeingut ist, der bei Flut vom Wasser bedeckt wird. Für neugierige Ausflügler, die sich von den „Nicht betreten“-Schildern nicht abschrecken lassen, hat Locklin deshalb einen Tipp parat: „Solange man auf dem nassen Sand läuft, ist es wahrscheinlich okay.“ Vielleicht ist auch niemand bei den Stars zu Hause, der sich beschweren könnte. So teuer die Strandhäuser auch waren, viele Besitzer benutzen sie nur als Ferienhäuser.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben