Welt : O. J. Simpson wegen Raubes angeklagt

Christoph von Marschall

Washington - Der frühere Football-Star und mutmaßliche Mörder O. J. Simpson ist in Las Vegas wegen schweren Raubes angeklagt worden. Laut Polizei hat der 60-Jährige zusammen mit Komplizen Souvenirhändler in einem Hotel überfallen und mit einer Schusswaffe die Herausgabe von Sporttrophäen und anderen Andenken aus seiner Karriere verlangt. Simpson sagt, es gehe um sein Eigentum.

Es ist die jüngste Wendung einer über 20 Jahre dauernden Skandalgeschichte: 1994 soll der schwarze Superstar seine Frau Nicole Brown, ein blondes Fotomodell, und deren Freund Ronald Goldman ermordet haben. Die Verfolgungsjagd der Polizei verdrängte damals die TV-Bilder von der ersten Fußball-WM in den USA. Im Strafprozess sprach ihn die Jury in Los Angeles 1995 vom Mordvorwurf frei. Die Verteidigung hatte erfolgreich den Eindruck erweckt, da stehe ein Schwarzer wegen seiner Hautfarbe vor Gericht. Im Zivilprozess um Schadenersatz für die Opferfamilie wurde O. J. Simpson für schuldig befunden und zur Zahlung von 38 Millionen Dollar verurteilt. Er verkaufte sein Haus und viele Andenken, hat aber die Summe bis heute nicht voll bezahlt.

Die Mehrheit der Amerikaner ist überzeugt, dass Simpson die Morde begangen hat. In den USA darf man aber nach einem Freispruch kein zweites Mal wegen desselben Verbrechens angeklagt werden. Simpson versuchte diese Zweideutigkeit kürzlich mit dem Buch „If I did it“ zu vermarkten. Dieses indirekte Geständnis sollte ihm auch als Film und in Talkshows Geld einbringen. Nach einem Aufschrei der Öffentlichkeit zogen die TV-Sender zurück.

Auch die Fakten des Hotelüberfalls sind umstritten. Die Polizei sagt inzwischen, sie habe keinen Beweis, dass Simpson eine Waffe trug. Und auch einer der Souvernirhändler bittet, die Anklage fallen zu lassen: „Ich stehe auf O. J.s Seite.“ Christoph von Marschall

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