Obamas älteste Tochter : Malia geht nach Harvard - wohin auch sonst?

Harvard ist die erste und älteste Universität Amerikas. Dort wird Barack Obamas erstgeborene Tochter studieren. Für die Amerikaner ist das ein großes Thema.

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US-Präsident Barack Obama mit seiner Tochter Malia. Foto: Kevin Lamarque/Reuters
US-Präsident Barack Obama mit seiner Tochter Malia.Foto: Kevin Lamarque/Reuters


Malia Obama, knapp 18 und noch auf einer der teuersten Privatschulen in Washington, hat sich für eine Universität entschieden – Harvard. Das war nicht nur den heimischen Medien eine Nachricht wert, sondern auch Spiegel Online. Warum eigentlich? Weil „Harvard“ und „Obama“ zwei Weltmarken sind. Promi hoch zwei: die „Erste“ Tochter und die erste und älteste Universität Amerikas, obwohl es inzwischen deutlich schwerer ist, einen Platz in Stanford zu ergattern.

Deutsche Unis und deutsche Politiker sind keine Marken, mit Ausnahme der Kanzlerin vielleicht, die jetzt so weltberühmt ist wie es einst Franz, der „Kaiser“, Beckenbauer war. Doch Angela Merkel hat keine Kinder, und wenn sie welche hätte, gingen die vielleicht nach Göttingen. „Göttingen“ war früher ein globaler Marke für Naturwissenschaftler, aber Hitler hat diese kaputt gemacht. In Deutschland weiß keiner (und es interessiert auch keinen), welche Universitäten die Kinder unserer Großpolitiker besuchen. Wir wissen nicht einmal, wie deren Kinder heißen.

Malia Obama, die erstgeborene Tochter von Barack und Michelle, hat die vergangenen siebeneinhalb Jahre im Weißen Haus verbracht. Sie hat die exklusive Sidwell Friends Schule besucht, die pro Jahr 37 000 Dollar Schulgeld kostet. Sie hat wie Millionen anderer Zwölftklässler ihr letztes Schuljahr damit verbracht, ihre SATs oder ACTs (standardisierte Tests in Mathe und Englisch) mit einer möglichst hohen Punktzahl zu bestehen. Sie hat alle möglichen Colleges besucht, hauptsächlich an der Ostküste, aber auch in Kalifornien. Sie hat dort Professoren ausgefragt, in Hörsälen geschnuppert und vielleicht auch bei einer Studentenparty vorbeigeguckt. Sie hat ihre Empfehlungsschreiben gesammelt und die nötigen Essays geschrieben.

Schließlich hat sie Ende 2015 die Bewerbungen abgeschickt. Dann hieß es warten und warten, bis April – eine Nervenprobe für Eltern und Kinder. Was liegt dann im Briefkasten? Ein „dünner“ oder ein „dicker“ Brief, also eine Absage oder ein Umschlag voller Formulare und Fragebögen. Die Absagen erschüttern die ehrgeizigen Eltern meist noch mehr als die Kinder. Doch an der Traumschule hängen eben Träume. Oder großer Kummer.

Nicht Stanford und nicht die New York University

Malia Obama, heißt es, ist ehrgeizig und Filmfan. Deshalb wurde heftig spekuliert, dass sie an die New York University gehen würde. Die glänzt mit ihrer berühmten Tisch School of the Arts, wo auch Martin Scorcese und Spike Lee das Handwerk gelernt hatten. Vielleicht aber auch Stanford, wo Chelsea, die Tochter von Bill und Hillary Clinton, studierte.

Brown University im Bundesstaat Rhode Island schied als „Party-Uni“ schon mal aus, weil irgendjemand ein Bild von Malia bei einer Studenten-Fete postete, das sie in der verdächtigen Umgebung von Bierflaschen zeigte. Die Zwillingstöchter von George W. Bush, Barbara (Yale) und Jenna (Universiy of Texas), haben mit Bier und Publicity als 20-jährige üble Erfahrungen gemacht. Das will kein Präsidentenkind ein zweites Mal erleben.

Seit ein paar Tagen ist es nun raus: Die Erste Tochter geht nach Harvard.

Der deutsche Leser denkt vermutlich: Klar, Nummer eins der Welt, was sonst? Der deutsche Journalist weiß: Klar, die Uni ihrer Eltern. Beides geht aber an der amerikanischen Wirklichkeit vorbei. Zum einen: Nicht jeder will nach Harvard, siehe Chelsea Clinton. Die wollte weit weg von Washington, und das hieß es Stanford, 5000 Kilometer entfernt. Zum anderen: Malias Eltern waren zwar in Harvard, doch „nur“ in der Law School. Ihren Bachelor haben sie in Columbia (Vater) und Princeton (Mutter) gemacht.

Beim Ritterschlag zählt in Amerika nur das College

Aber der echte Bildungsadel in Amerika wurzelt im College, in den ersten vier Jahren, die mit dem B.A.-Abschluss enden. Was die „New York Times“ denn auch zu der ironischen Überschrift „First Daughter rebels, sort of...“ veranlasste. Diese „Revolte“ auf höchstem Niveau konnte sich eine Präsidententochter wie Malia Obama gut leisten; sie war selber berühmt genug. Überdies zählt beim Ritterschlag das College, nicht die Law School oder die Business School. Kein Wunder, wenn man bedenkt wie brutal-selektiv der Zugang ist. Nur 4,7 Prozent schaffen es als Undergraduates nach Stanford, dann folgen Harvard mit 5,2 und Yale mit 6,3 Prozent.

Colleges spielen im amerikanischen Leben eine andere Rolle als deutsche Unis im Leben ihrer deutschen Altersgenossen. Das liegt vorweg daran, dass amerikanische Colleges in der Mehrzahl ein echtes Zuhause sind; man wohnt auf dem Campus, in einer „Großfamilie“. Ruf und Rang der Uni spielen am Standort Deutschland mit Ausnahme einiger Technischen Universitäten nicht die alles entscheidende Rolle. Deutsche bewerben sich für ein Fach, wo es am schwersten in der Medizin und der Informatik ist. Der Lehrstuhl zählt mehr als die Hochschule. Amerikanische Studenten fangen dagegen selten mit einem Fachstudium an; Medizin, Jura, Business folgen nach dem Bachelor. Die besten Institutionen stehen in einem ständigen Wettbewerb um Studenten wie Lehrer.

Ruhm und Ranking einer Hochschule spielen außerdem eine kritische Rolle nach dem Studium. Sie nähren die Treue der Alumni und somit Grundlage für einen steten Spendenfluss, egal, ob es sich um eine staatliche oder private Uni handelt.

Die Studienkosten wachsen schneller als die Inflation

Das Geld muss fließen, weil die Studienkosten seit Jahrzehnten schneller wachsen als die Inflation. Inzwischen kostet ein Jahr (mit Wohnung und Verpflegung) in den Spitzen-Institutionen 60.000 Dollar – das entspricht einer Viertelmillion bis zum B.A. Das können sich nur Wohlhabende leisten, weshalb Stanford, Harvard und Co. weniger Vermögende vom Studiengeld befreien und 60 Prozent der Studenten in irgendeiner Weise alimentieren. Die Spenden der Alten finanzieren die Jungen und mehren das Stiftungskapital.

Können die Obamas sich eine Viertelmillion leisten? Der Präsident verdient 400.000 Dollar vor Steuern. Deshalb haben die Obamas seit Jahren in einen College-Fonds eingezahlt, nachzulesen in ihrer Steuererklärung. Richtig reich werden Mr. und Mrs. Obama erst als Privatiers, wenn sie wie die Clintons Millionen mit Büchern und Vorträgen verdienen.

Wohlfeil klingt wiederum die systematisch gestreute Mär, wonach die prominenten Eltern ihrer Tochter stets eingeschärft hätten, bei der Uni-Wahl nicht auf die großen Namen zu achten. „Auch wenn es keine berühmte, erlesene Hochschule mit einem großen Namen ist“, ließ Barack Obama verlauten, „heißt das nicht, dass du nicht eine tolle Ausbildung bekommst“.

Unis wie Harvard haben Erfahrung im Beschützen von Promi-Kindern

Diesen anheimelnden Ratschlag haben weder die Tochter noch die Bevölkerung ernst genommen. Malia ist das Kind zweier akademischer Überflieger. Sie entschied sich für die älteste und berühmteste amerikanische Universität nicht nur, weil sie nicht auf den Pfaden der Eltern wandeln wollte, die durch Columbia und Princeton führten. Bei Harvard werden die Eltern auch ein Wörtchen mitgeredet haben. Denn: Solche Unis haben die beste Erfahrung mit dem Betütteln und Beschützen von Kindern mächtiger Eltern. Umgekehrt kriegen die Harvards und Stanfords mit einer Präsidententochter einen traumhaften PR-Gewinn, der die Nachfrage nach Studienplätzen noch weiter erhöht.

Malia hat denn auch reibungslos einen Aufschub bekommen, um ein „Gap Year“ einzuschieben, eine Pause zwischen High School und College. Dann wird ihr Vater seine Memoiren schreiben, und Malias Postadresse wird nicht mehr „The White House, 1600 Pennsylvania Avenue“ lauten. Sie wird ein „normales“ erstes Studentenjahr genießen.

Erspart bleibt ihr so auch das Spektakel, das Chelsea Clinton erwartete, als sie ihr Studium in Stanford aufnahm. Der Präsident und die First Lady erschienen mit 200 Reportern und unzähligen Bewachern auf den Campus. Die Leute vom Secret Service, der den Präsidenten auch im Leben nach dem Amt schützt, werden ebenfalls Malia in Harvard begleiten. Die Beamten waren aber schon bei Chelsea sehr diskret.

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