Oberlandesgericht Düsseldorf : Prozess um Ghostwriter für Doktorarbeiten

Ein Berliner Ghostwriter für Doktorarbeiten darf auf seiner Internetseite nicht mehr damit werben, dass er "einer der Marktführer" im Bereich des wissenschaftlichen Ghostwritings sei.

Moses Fendel

Dies hat das Oberlandesgericht Düsseldorf vergangene Woche in einem Unterlassungsverfahren entschieden. In der Begründung des Urteils hieß es, der Beklagte könne schon deshalb nicht zu den Marktführern des wissenschaftlichen Ghostwritings gehören, weil er ausschließlich verbotene Dienstleistungen anbiete. Auf seiner Internetseite habe er zwar darauf hingewiesen, dass die Arbeiten nur zu Übungszwecken verwendet werden dürften. Es sei jedoch ersichtlich, dass dies nicht ernst gemeint sei. Es sei lebensfremd, dass jemand mehr als 10 000 Euro für einen bloßen Übungstext zahle. Mindestens so viel habe der Ghostwriter nämlich für eine Dissertation verlangt. Je nach Umfang der Arbeit könnten es bis zu 20 000 Euro werden. Geklagt hatte ein anderer Ghostwriter, der auch Texte im Auftrag von Unternehmen und Institutionen verfasst. Frank Feser, Anwalt des Klägers, sagte, dass es sich in diesem Fall um „Ghostwriting im legalen Bereich“ handele.

Thomas Nemet ist Geschäftsführer des deutschen Zweigs der Ghostwriting-Agentur Acad Write in Halle an der Saale. Seine Firma bietet Unterstützung für die wissenschaftliche Karriere und spricht von einem „erfolgreichen Unternehmen“. Immerhin rund 200 Akademiker „aus den unterschiedlichsten Fachbereichen“ beschäftigt die 2004 gegründete Firma, die ihren Hauptsitz wegen der „fortschreitenden Vernachlässigung des Datenschutzes in Deutschland“ 2009 in die Schweiz verlegt hat. Zu den aktuellen Zahlen seines Unternehmens will Nemet nichts sagen. „Das Thema ist in den letzten Tagen so hochgekocht“, so lautet seine Begründung.

Auch andere Ghostwriter, die ihre Dienste im Netz anbieten, wollen derzeit lieber keine Auskunft geben. Für Dienstleister wie Kunden ist Diskretion das oberste Gebot. Doch die Zahlen aus dem akademischen Jahr 2006/07 lassen darauf schließen, dass es sich um ein lukratives Geschäft handelt. In dieser Zeit habe Acad Write etwa 1500 Kunden „bei ihrer akademischen Karriere geholfen“, sagte Nemet im Jahr 2009 – damals war er auskunftsfreudiger – der „Welt am Sonntag“. Das Unternehmen habe in dieser Zeit ungefähr eine Million Euro umgesetzt.

Wie andere Anbieter verweist Nemet darauf, dass das Geschäft so alt sei wie die Menschheit selbst. Illegal sei es auch nicht: „Wir weisen in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen darauf hin, dass es nicht zulässig ist, eine gekaufte Arbeit als seine eigene auszugeben“, stellt Nemet in einer Pressemitteilung klar. Die Kosten für einen wissenschaftlichen Text betragen demnach zwischen 30 und 90 Euro pro Seite, das ist gleichzeitig etwa der Tageslohn des Autors. Eine Diplomarbeit etwa würde zwischen 3500 und 8000 Euro kosten.

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