Welt : Ökosteuer für Pauschaltouristen: Mallorca macht sich unbeliebt

Margret Steffen

Mallorca hat es satt - genug mit Müllmassen, Wäschebergen, Duschorgien. Deren Verursacher reisen aus dem Norden an und haben für Hege und Pflege am Mittelmeer vorher anständig bezahlt. Glauben sie. "Aber nicht genug und nicht an uns", sagt die rot-grüne Inselregierung. Sie will eine Umweltabgabe von maximal einem Euro (etwa zwei Mark) je Gast und Nacht für die alljährliche Extrembelastung.

"Wir können das unseren Gästen nicht erklären", sagt Dierk Berlinghoff, Sprecher des deutschen Touristik-Konzerns LTU. "Den Einzug der Ökosteuer an der Hotelrezeption halten wir für unzumutbar." Weil die Balearenregierung die "Ecotasa" (Ökosteuer) direkt von den Hotels fordert, ist auch erst dort die Abgabe fürs saubere Mallorca fällig. Nicht schon beim FLugticketkauf - denn dagegen wehren sich die deutschen Reiseunternehmen. "Ein Inkasso über den Veranstalter lehnen wir strikt ab", heißt es bei der LTU. Wie die Taxe genau entrichtet werden soll, sei noch Sache der Verhandlungen mit den Hotels. Schlimmer als die Steuer selbst ist aber die ausgelöste misslaunige Diskussion um die Touristen. Ältere Mallorquiner sind den Urlauberfluten noch dankbar. Die Jüngeren aber sind an die vollen Kassen gewöhnt, mehr als an Betonwüsten und Wasserknappheit. Jahrzehntelang muckte die Regierung nicht gegen die mallorquinischen Unternehmerinteressen auf. Jetzt sucht sie ihr Heil in der Touristenbesteuerung.

"Wir halten da nichts von", sagt auch Kerstin Heinen von der C & N Touristic AG. "Man muss natürlich definitiv etwas tun für den Schutz der Umwelt." Aber es könne nicht einseitig die Gruppe der Pauschaltouristen belastet werden. Das "preissensible Klientel" der Mallorcaurlauber mit Kindern sei da gleich mehrfach betroffen. Deutsche Reiseveranstalter hoffen jetzt mit den Hoteliers auf Einsicht: Die wollen Verfassungsklage in Madrid einreichen. Dies sei der einzige Weg, das Vorhaben noch zu stoppen, sagte der Präsident des Hotelverbandes Mallorca Pere Canellas am Mittwoch. Finanzminister Cristobal Montoro gab an, eine solche Klage werde bereits geprüft. Da Hotelgäste schon Mehrwertsteuer zu zahlen hätten, liege möglicherweise eine verfassungswidrige Doppelbesteuerung vor.

Im Falle einer Klage vor dem Verfassungsgericht würde die Ökosteuer umgehend auf Eis gelegt. Die Richter hätten dann fünf Monate Zeit, die Einwände zu prüfen. Die konservative Regierung in Madrid signalisierte den Hoteliers ihre Unterstützung. "Mallorca verschafft sich einen Preisnachteil", sagt TUI-Sprecher Mario Köpers. Dass die Buchungen von Mallorcareisen nicht zurückgehen würden, hinge davon ab, ob den Verbrauchern die Ökoabgabe plausibel gemacht werden könne. Tatsache ist, dass schon im letzten Sommer die deutsche Mallorcafreude abflaute. Dieses Jahr soll es so weiter gehen: Zwei Wochen türkische Sonne sind inzwischen sehr viel billiger zu haben. Zwar sei "die Ökosteuer pro Tag nicht mal eine Sangria", sagt Holger Schweins von der Frosch Sportreisen GmbH. Trotzdem schrecken zusätzliche Kosten immer ab.

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