Welt : Ökumenische Geste: Warum der Papst das Osterfest verlegen will

Martin Gehlen

Werden die Christen in Ost und West bald am selben Tag Ostern feiern? In diesem Jahr fällt das Datum bereits trotz unterschiedlicher Kalender zusammen - eine zufällige Ausnahme. Sie jedoch könnte künftig zur Regel werden. Denn Johannes Paul II. will das westliche Osterfest verlegen - eine spektakuläre Geste, mit der das römisch-katholische Oberhaupt der Ökumene neue Impulse geben und das chronisch schlechte Verhältnis zu den orthodoxen Ostkirchen verbessern möchte. Die Initiative habe eine hohe symbolische und psychologische Bedeutung, heißt es dazu im Vatikan. Verursacht sind die divergierenden Ostertermine durch verschiedene Kalender. Während im Westen der Gregorianische Kalender aus dem 16. Jahrhundert gilt, richten sich die orthodoxen Kirchen nach dem wesentlich älteren Julianischen Kalender.

In diesem Jahr will der Papst Syrien und die Ukraine, ein traditionell orthodoxes Land, besuchen. Orthodoxe Kirchenführer wie der Moskauer Patriarch Alexi II. werfen Rom vor, im Stammgebiet ihrer Kirchen zu missionieren. In Syrien möchte Johannes Paul II. an einer orthodoxen Osterliturgie teilnehmen. Die Protestanten, wegen des päpstlichen Schreibens "Dominus Iesus" momentan nicht gut auf Rom zu sprechen, reagierten grundsätzlich positiv. Allerdings sei für den gemeinsamen Ostertermin auch eine "Ökumene auf gleicher Augenhöhe" notwendig, erklärte der Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), dem weltweit 337 Kirchen in mehr als 100 Ländern angehören, hat sogar schon einen Vorschlag für ein gemeinsames Osterfest aller Christen in der Schublade. Im Grundsatz seien sich die christlichen Kirchen - Katholiken, Anglikaner, Protestanten und Orthodoxe - einig, erklärte ÖRK-Generalsekretär Konrad Raiser. Es fehle allerdings noch die Zustimmung der orthodoxen Kirchen aus Osteuropa.

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