Welt : Ölbeseitigung im Wettlauf mit der Zeit

Vor der französischen Atlantikküste sind die Bemühungen zur Beseitigung des Ölteppichs aus dem verunglückten Tanker "Erika" am Donnerstag fortgesetzt worden. Bereits im Morgengrauen begannen Experten auf den Spezialschiffen "Ailette" und "Buffle" mit der Arbeit. Ein Wettlauf mit der Zeit: Am Wochenende sollte der Wind drehen und das ausgelaufene Öl zur Küste treiben. Schiffe aus Deutschland, Großbritannien und Norwegen sollten die Arbeiten ab Sonnabend unterstützen. Die Spezialschiffe sind mit Ölsauganlagen ausgerüstet, mit deren Hilfe das Öl aus dem Wasser entfernt werden soll. Erste Versuche am Mittwoch waren gescheitert. Das Schweröl, das die "Erika" geladen hatte, ist im Kontakt mit Salzwasser zu einer breiartigen Masse geworden.

Unterdessen wuchs die Angst von Fischern und Austernzüchtern: Wind und Wellen zerrissen die beiden Ölteppiche in unzählige kleine Teile. Diese trieben in der wichtigen Fischfangzone zum Teil unterhalb der Wasseroberfläche und waren für die Schiffe nur schwer zu finden. Die hohen Wellen der vergangenen Tage zerrissen den Ölteppich in Dutzende kleine und größere Flecken, die weiterhin parallel zur Küste trieben. Aus dem Tanker, der rund 30 000 Tonnen Öl an Bord hatte, liefen schätzungsweise 12 000 Tonnen aus. Der Rest befindet sich im Wrack auf dem Meeresgrund.

Der französische Verkehrsminister Gayssot zeigte sich zuversichtlich, dass eine Umweltkatastrophe verhindert werden könne. "Im Augenblick ist das Wetter günstig", sagte er bei einem Besuch am Unglücksort. Zusammen mit Umweltministerin Dominique Voynet überflog er im Hubschrauber das betroffene Seegebiet. Wenn überhaupt, werde das Öl frühestens in einer Woche an die Ufer geschwemmt, sagte er. Allerdings könnten die Ölteppiche in einigen Tagen spanische Gewässer erreichen.

Der Kapitän der "Erika", der Inder Krun Mathur, wurde wegen Gefährdung der Leben Dritter und Meeresverschmutzung in Untersuchungshaft genommen. Der unter maltesischer Flagge fahrende Tanker war am Sonntag früh bei schwerer See vor der Bretagne auseinandergebrochen. Tourismusexperten in der Bretagne gehen schon jetzt von einem Imageverlust für ihre Region aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben