Ölpest : BP gerät ins Visier der Ermittler

Die US-Regierung leitet strafrechtliche Ermittlungen gegen den Konzern BP ein. Indes verschärft die bevorstehende Hurrikan-Saison die Situation im Golf von Mexiko.

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Die Bewohner entlang der verseuchten Küste verlieren die Geduld mit dem Ölkonzern BP.
Die Bewohner entlang der verseuchten Küste verlieren die Geduld mit dem Ölkonzern BP.Foto: dpa

Bei der Abwehr der Ölpest im Golf von Mexiko stehen die Anwohner der Küstenstaaten und die US-Regierung vor einer neuen Bedrohung: Nach vier relativ ruhigen Jahren prognostizieren die Meteorologen für den Sommer 2010 eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Wirbelstürmen. Wenn die Vorhersagen eintreffen, könnte das Wetter die Pläne, das Unglücksbohrloch in 1500 Meter Wassertiefe bis August zu schließen und das austretende Rohöl bis dahin mit einer Flotille von Spezialschiffen einzufangen, verzögern oder ganz zunichtemachen. US-Medien melden zudem, dass die Regierung ein strafrechtliches Vorgehen gegen BP vorbereitet.

Im Durchschnitt ereignen sich pro Jahr sechs Hurrikans, davon zwei schwere. Insgesamt erreichen elf Stürme eine so große Stärke, dass die Meteorologen ihnen Namen geben. Für 2010 wird eine besonders schlimme Saison erwartet: 14 bis 23 Stürme mit Namen, von denen acht bis 14 Hurrikanstärke erreichen und drei bis sieben in die Kategorie eines schweren Hurrikans fallen. Von einem Hurrikan spricht man ab Windgeschwindigkeiten von 120 km/h, von schweren Hurrikans ab 180 km/h. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios beziffert die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) mit 70 Prozent.

Diese Zahlen gleichen denen von 2005. Damals zerstörte „Katrina“ New Orleans sowie weite Küstenabschnitte der Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama. Zusätzlich bedrohten „Rita“ und „Wilma“ die Küste von Texas. Insgesamt gab es 28 Stürme mit Namen, darunter 15 Hurrikans, davon sieben schwere. Die Jahre 2006 bis 2008 verliefen ruhiger. 2009 gab es keinen einzigen Hurrikan. Die Wirbelsturmsaison umfasst offiziell die Monate Juni bis November.

Die US-Regierung leitet derzeit zivil- und strafrechtliche Ermittlungen gegen BP ein. Justizminister Eric Holder reist an diesem Mittwoch an die Südküste der USA, um im Gespräch mit Ermittlern der Bundes- und Einzelstaatsbehörden zu prüfen, ob das folgenschwere Unglück auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ durch rechtswidrige Handlungen verursacht wurde und ob BP beim anschließenden Vorgehen gegen die Ölpest die Umweltauflagen missachtet hat. Die Staatsanwälte haben Holder zufolge eine "ausreichende Basis". Auch Bundesbehörden wie das FBI sollen an den Ermittlungen teilnehmen.

Die „Washington Post“ spricht von einem „Wendepunkt“ im Umgang mit BP. Bei allem Zorn über das Verhalten der Firma vor und während des Unglücks hatte die Regierung unter Präsident Barack Obama den Ölkonzern bisher als „Partner“ bei der Eindämmung der Folgen bezeichnet und mehrfach betont, dass sie im Krisenmanagement auf BP angewiesen sei, weil sie selbst nicht über die Geräte, den Zugang zum Bohrloch und die Erfahrung im Umgang mit Ölquellen in so großer Tiefe verfüge. Nun ordneten die Justizbehörden an, BP müsse alle Unterlagen, die im Zusammenhang mit dem Unfall stehen, aufbewahren und den Ermittlern zugänglich machen.

Der Umgangston hat sich im Laufe der jüngsten Tage verschärft. Zwischen Mittwoch und Sonnabend vergangener Woche hatte noch die Hoffnung bestanden, dass BP mit der Operation „Top Kill“ das Bohrloch von außen verschließen könnte und damit den Ausfluss von mehreren hunderttausend Litern Rohöl täglich stoppt. Am Sonnabend wurde „Top Kill“ jedoch erfolglos beendet. Der Plan ist nun, das Bohrloch von innen zu verschließen. Dafür sind komplizierte Entlastungsbohrungen in den alten Förderschacht von der Seite nötig. Dafür werden zwei bis drei Monate veranschlagt.

Parallel versucht BP einen Trichter über dem Bohrloch zu platzieren, um einen Teil des austretenden Öls einzufangen und in Tankschiffe zu pumpen.

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